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LUG Camp 2003 - Erlebnisbericht der etwas anderen Art

Die Anreise

 

5,4,3,2,1! Endlich war es soweit:

 

Wir, die Mitglieder der LUG Flensburg e.V., durften uns nach einem langen Jahr Wartezeit auf den Weg Richtung Schweiz machen: LUG Camp 2003 ist angesagt! Nachdem das LUG Camp 2002 bei uns in Flensburg stattfand, ging es in diesem Jahr genau in die anderen Richtung: Auf in den Süden!

 

Wir trafen uns am Tag vor dem Beginn des Camps um 18:00 Uhr am Flensburger Bahnhof. Große Augen bei den anderen Reisenden: Was sind das denn für welche: Fürchterlich gute Laune, viele große Taschen und die Wahnsinnigen schleppen sogar Computer und Monitore Richtung Bahnsteig! Sowas sieht man dort nicht alle Tage.




Treffen am Flensburger Bahnhof 28.05., 18:13 Uhr:

 

Nun ging es tatsächlich los: Die Fahrt im "FLEX" Richtung Hamburg begann. Irgendwie hatten wir wohl noch gar nicht realisiert, dass laut Reiseplanung nun 18 Stunden Bahnfahrt vor uns lagen, wenn alles klappt. Die Stimmung war jedenfalls super und alle freuten sich darauf, die anderen "Camper" wiederzutreffen. Natürlich wurde palavert ohne Ende: "Weisst Du noch? Im letzten Jahr... " - Der Stoff für Unterhaltungen geht uns vermutlich nie aus...

 

In Rendsburg stieg Jens noch in den Zug. Mit 15 Camp-Teilnehmern der LUG Flensburg e.V. waren wir nun endlich komplett und es ging weiter Richtung Süden...



28.05., 20:00 Uhr:

 

Der erste Teil der Reise war geschafft: Wir hatten Hamburg-Dammtor erreicht und hatten 2 Stunden Aufenthalt, bis es weiter ging. Was blieb uns übrig, als unser gesamtes Gerödel zu schnappen und erstmal das Restaurant mit dem grossen, goldenen M aufzusuchen.

 

Dort schauten einige Passanten ziemlich verdutzt drein, als die ersten von uns ihre Laptops auspackten, Antennen in die Luft hielten und nach offenen WLANs in Bahnhofsnähe suchten... Die Wartezeit verflog jedenfalls förmlich und um viertel nach 10 enterten wir den Nachtzug nach Frankfurt...



Leider hatte dieser Zug keine Stromversorgung für unsere Rechner und den WLAN-Accesspoint, aber wenn man zum LUG Camp fährt, dann denkt man natürlich an alles. Reisetasche aufmachen, 600VA-USV rausholen und den AP anschliessen dauerte nicht lange und sofort stand zumindest einem Teil von uns WLAN zur Verfügung. Für „War-Driving“ war der Zug wohl etwas zu schnell, aber zumindest wir untereinander hatten Verbindung. Da wir sowohl Liege- als auch Sitzplätze reserviert haben, waren wir leider in verschiedenen Waggons des Zuges untergebracht. Was soll's, dafür war halt nachts etwas mehr Betrieb auf den Gängen im Zug...

 

28.05., ca. 23:00 Uhr:

 

Was soll das denn? Mitten auf der Strecke, kurz nachdem wir Hamburg-Harburg passiert hatten, hielt der Zug plötzlich an. Hm, strange! Anhalter werden von der Bahn normalerweise nicht mitgenommen, also musste da wohl irgendwas passiert sein. Kein Problem: Fenster auf und nachsehen. Doch kaum war das Fenster offen, kam ein fürchterlicher Gestank rein! Was war denn hier los?

 

Kurz darauf hektische Aktivitäten sowohl neben dem Zug als auch auf dem Gang: Ein Blick aus dem Fenster nach hinten zeigte uns, dass es einige Waggons hinter uns fürchterlich qualmte....

 

Oha, da brannte also wohl irgendwas, aber da wir in einem Nachtzug fuhren und ein Teil der Reisenden sicherlich schon schlief, wurden wir natürlich nicht über den Zuglautsprecher informiert, was dort tatsächlich vor sich ging. Nach ca. 30 Minuten setzte sich der Zug endlich wieder in Bewegung und als einer der Zugbegleiter (die übrigens sehr freundlich waren) an unserem Abteil vorbeikam, erfuhren wir endlich den Grund des Halts: Eine Bremse hatte sich irgendwie festgesetzt und dadurch war es wohl zu einem Brand gekommen. Nichts, was das Zugpersonal mit 5 oder 6 Feuerlöscher nicht in den Griff bekommen konnte...

 

 


Wenn die Fahrt aber in diesem Stil weitergehen würde, dann konnte das ja noch richtig lustig werden, zumal der Zug zwischenzeitlich über eine Stunde hinter dem Fahrplan herfuhr. Geschlafen hatte in diesem Nachtzug allerdings niemand von uns, denn einerseits waren wir natürlich alle ziemlich aufgeregt, weil es endlich zum LUG Camp ging, zum anderen waren die Sitze zum Schlafen zu unbequem und im Liegeabteil herrschten Temperaturen, die ein Schlafen unmöglich machten. Das Abteil war eher mit einer Sauna zu vergleichen...





Der Rest dieses Fahrtabschnitts verlief aber ziemlich reibungslos und morgens um kurz nach 6 liefen wir mit nur noch ca. 30 Minuten Verspätung in Frankfurt ein.

 

Um 7 Uhr ging es weiter mit dem ICE nach Zürich, doch ca. 5 Minuten, bevor wir Mannheim erreichen sollten, hielt der Zug plötzlich in irgendeinem kleinen Bahnhof auf der Strecke....

 

Naja, das wird schon seine Richtigkeit haben, doch beim Blick aus dem Zug auf den Bahnsteig sah man dort etwas liegen, was wie ein Arm aussah. Im Gleisbett vor dem Bahnsteig lag etwas, was wie ein Teil eines Oberkörper aussah. Im Gang standen einige Kiddies am Fenster, die laut kicherten, diese Szene fotografierten und witzelten "Guck mal da, das sieht aus wie echt! Drehen die hier 'nen Film? Usw."


Bestimmt 15 Minuten lang änderte sich an dieser Situation nichts, doch dann kam Bewegung in die Szene: Draussen liefen 2 Polizisten hektisch über den Bahnsteig und bedeckten die offensichtlich doch echten Körperteile mit Decken und über die Lautsprecher kam eine Durchsage, dass es einen Unfall mit Personenschaden gegeben hätte und der Zug zurückfahren müsse und umgeleitet würde... Da war wohl jemand vor den Zug gesprungen, der direkt vor unserem fuhr und wir hatten zufälligerweise genau da angehalten, wo das passiert war... Ziemlich makaber, vor allem, wenn man an das Gekicher kurz zuvor denkt...

 

Tja, das alles hatte natürlich dazu geführt, dass wir, als wir uns der Schweizer Grenze näherten, ca. 90 Minuten Verspätung hatten. Das war dann auch der Moment, in dem wir feststellen durften, wie flexibel die Deutsche Bahn mittlerweile geworden ist: Plötzlich kam eine Durchsage, daß unser Zug nicht wie im Fahrplan vorgesehen nach Zürich, sondern wegen der der enormen Verspätung nur bis Basel fahren würde. Wie? Was? Und wie kommen wir weiter? Hey Mann, wir wollen zum LUG Camp und die lassen uns nicht!

 

Die Zugbegleiter erzählten uns nur "Ach, Sie werden schon weiterkommen, da gibt es noch andere Züge in ihre Richtung" - Ja, prima, aber in denen sind nicht unsere gegen Gebühr reservierten Plätze! - Was soll's? Ändern konnten wir an der Situation eh nichts, aber die verschenkten Gebühren werden wir uns sicherlich zurückholen!

 

Irgendwann kamen wir dann auch endlich mit über einer Stunde Verspätung in Basel an und dort lernten wir zum ersten Mal die Freundlichkeit des Schweizer Bahnpersonals kennen. Die Jungs (und Mädels) haben sich wirklich richtig Mühe gegeben und uns sehr gut informiert, wie wir denn nun auf schnellstem Wege unser Ziel erreichen können. Um ca. 15:00 Uhr kamen wir dann endlich mit zweistündiger Verspätung in Felsberg an. Nun konnte auch für uns Flensburger das LUG Camp 2003 endlich richtig beginnen!


Vor Ort: Hohe Deiche - wenig Wasser

Zuerst einmal gab es selbstverständlich ein grosses Hallo, schliesslich kannte man die meisten Teilnehmer noch von den vorhergehenden Camps. Dann ging es gleich an's Platz suchen. Dadurch, dass wir so spät angekommen waren, waren die "besten Plätze" natürlich schon lange vergeben und 15 zusammenhängende Plätze gab es selbstverständlich auch nicht mehr. Das störte aber nicht wirklich; wir teilten uns einfach auf und mischten uns unter's Volk. Eigentlich war das sowieso viel besser, denn dadurch hatte man natürlich viel mehr Kontakt zu den anderen Teilnehmern.




Nachdem wir uns häuslich niedergelassen hatten, gingen wir natürlich erstmal vor die Tür und wollten einen ersten Eindruck vom Veranstaltungsort gewinnen. Gerade für uns Nordlichter sind „richtige“ Berge ja doch etwas Besonderes, schliesslich sind die „Deiche“ bei uns an der Küste deutlich niedriger als in der Schweiz und mehr Wasser haben wir auch. Es war für uns faszinierend zu sehen, dass wir in Felsberg mit T-Shirts und kurzen Hosen herumliefen und auf den „Hügeln“ rundum noch Schnee auf den Spitzen lag.



Zur Unterbringung der 140 – 150 Teilnehmer hatte die LUG Switzerland eine Zivilschutzanlage organisiert. Auch das Schlafen in einem Bunker war für viele ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Unsere Rechner standen in der Aula der örtlichen Schule, deren Platzangebot wirklich bis zum Letzten ausgenutzt wurde. Das LUG Camp wird offensichtlich für immer mehr Linux-Fans ein fester Termin in der Jahresplanung, denn von Jahr zu Jahr kommen mehr Teilnehmer zu diesem tollen Ereignis. Glücklicherweise stand zusätzlich reichlich Platz für Wohnmobile und Zelte zur Verfügung; damit war sichergestellt, dass jeder der wollte, auch einen Schlafplatz bekam.



In den folgenden 4 Tagen standen natürlich wieder jede Menge Vorträge und Workshops auf dem Programm. Ob es zum Beispiel um MySQL oder fli4l ging, um die Funktionsweise bestimmter Hardware, WLAN und seine Möglichkeiten und Risiken oder den Umbau der X-Box zu einem vollwertigen Computer unter Linux: Für jeden Teilnehmer war sicherlich etwas dabei, was für ihn von Interesse war. Leider gab es zeitweise Probleme mit dem LAN, weil einige „Experten“ zum Beispiel meinten, ihr mitgebrachter DSL-Router sollte auch im LAN immer noch nach seinem T-Online-Zugang suchen, oder ihr Samba-Server sollte weiterhin seine Drucker anpreisen...

 

Doch natürlich waren nicht nur Fachthemen angesagt: Die LUG Switzerland hatte z.B. auch eine leichte Bergwanderung organisiert. Bei dieser Gelegenheit mussten einige von uns feststellen, dass wir von der Küste unter „leicht“ wohl etwas anderes verstehen. Die Landschaft allerdings war wirklich beeindruckend, vor allem für jemanden, der die Berge noch nie live gesehen hat.

 

Viele von uns haben sich auch nicht nur die direkte Umgebung des Camps sondern auch zum Beispiel die Stadt Chur angesehen, die quasi „gleich um die Ecke“, sprich hinter irgendeinem Berg lag. So kam es, dass man in Chur immer wieder auf Gruppen von Typen in T-Shirts mit Pinguinen traf.

 

Chur und besonders seine Altstadt gefielen uns wirklich sehr und absolut zu empfehlen ist das „Ketchup-Eis“, welches es in einer kleinen Eisdiele in der Innenstadt gab und sicher noch gibt: Die behaupteten dort doch allen Ernstes, das wäre Blutorangeneis – ausgesehen hat es aber tatsächlich wie gefrorener Ketchup und geschmeckt hat es wirklich super! Lustigerweise sprach die Verkäuferin hinter dem Tresen ein Deutsch, welches man absolut nicht in der Schweiz erwartet hätte. Eine Nachfrage erklärte dann alles: Die Frau war eigentlich Kölnerin und irgendwie in der Schweiz hängengeblieben... Ja, so klein ist die Welt!

 

Ein Hinweis für alle, die nach uns in die Schweiz fahren möchten: Nicht jeder Schweizer spricht so, daß der „Otto-Normal-Deutsche“ ihn auch versteht und richtiges Schwitzerdütsch ist auch wenn „Deutsch“ im Namen vorkommt von Hochdeutsch ungefähr so weit entfernt wie der Nordpol vom Äquator! Glücklicherweise war das aber die Ausnahme und wenn dieser Fall mal eintrat, dann war eigentlich stehts jemand zur Stelle, der die Übersetzung vornehmen konnte.




Endlich: Die Fleischversorgung ist sichergestellt!

Die Verpflegung während des Camps sorgte anfangs für Nachdenken: Der gewöhnlichen, fleischessenden Campteilnehmer fühlte sich zeitweise wie auf einem Treffen der anonymen Vegetarier und einige von uns unkten schon, dass sie am nächsten Tag mit Kaninchenzähnen aufwachen würden; dem war natürlich nicht so und am Abend des 3. Camptages wussten wir auch, warum das vermutlich so gelaufen war:

 

Da fand nämlich eine Grillparty statt, die einer Fleisch-Flatrate gleichkam! Dem örtlichen Schlachter, der es sich offensichtlich nicht nehmen liess, sein Fleisch zusammen mit seiner Frau selbst zu grillen, sei gesagt: Einfach Spitze und super-lecker! Eines sollte jeder Campteilnehmer sich aber auf jeden Fall merken: Wenn ein Schweizer dir sagt, eine Sauce sei scharf, dann glaube ihm das!




Holy shit! Die waren scharf!

Hoi! Die verschiedenen, zum Teil schon vom Flensburger LUG Camp bekannten Chili-Saucen die Venty organisiert hatte, die haben es wirklich in sich und Max, der es sich nicht nehmen liess, die Sorte „Death“ zu testen, wollte uns wohl beweisen, was für ein harter Kerl er doch war! Das Stück Fleisch mit dieser Sauce hat er auch tapfer gegessen, allerdings musste er die Wirkung von „Death“ anschliessend mit reichlich Weissbrot und Cola bekämpfen. Dumm nur, wenn man etwas von diesem Teufelszeug an den Finger bekommen hat und sich mit diesem Finger später die müden Augen reibt! Für die nächsten Stunden kann man mit diesem Auge vor lauter Tränen wirklich nichts mehr sehen...


Aber: Bleibende Schäden traten allerdings an Max nicht auf und er kann zukünftig immerhin behaupten, er hätte „Death“ als einziger aus unserer LUG tatsächlich am eigenen Körper getestet.




Die Küchenchefs: Ellen und Krümi

Überhaupt: Ein dickes Lob und Dank an die Küchencrew um Ellen herum: Alle Mahlzeiten wurden vom Küchendrachen und ihren Sklaven komplett selbst zubereitet und was das für eine Heidenarbeit so etwas ist, kann sicherlich jeder nachvollziehen, der schon einmal in der Küche stand und für sich selbst gekocht hat. Das Ganze dann für 150 verschiedenen Geschmäcker – dass man es dabei niemals für alle 100% richtig machen kann, dass liegt in der Natur der Sache!


Die Rückreise: On the road again...



Warten auf die Abfahrt...

Leider verflog die Zeit wie wohl immer bei solchen Gelegenheiten viel zu schnell und sonntags ging das LUG Camp 2003 schon wieder zu Ende. Dummerweise hatten wir uns von der Bahn überreden lassen, auch für die Rückfahrt den „bequemen“ Nachtzug zu nehmen. Daher sollte unser Zug erst um 20:15 in Chur abfahren. Da das LUG Camp allerdings schon um 14:00 Uhr offiziell beendet war, hatten wir leider eine ziemlich lange und nervige Wartezeit zu überbrücken. Naja, was soll's: Nachdem wir dann irgendwann jede Taube auf dem Bahnhofsvorplatz von Chur mit Vornamen kannten, näherte sich endlich unser Zug und unsere Rückreise begann.

 

Den Typen, der mit der Minibar durch diesen Zug lief, den hätten wir übrigens am liebsten gleich für den gesamten Rest der Reise fest gebucht: Nachdem Arnim ihn in seinem während des Camps nahezu „perfekt“ erlernten schweizer Dialekt ansprach, entwickelte sich eine wahre "Männerfreundschaft": Dumme Sprüche bis der Arzt kam und die nicht nur uns, sondern sämtliche Fahrgäste in diesem Wagen bei jedem Vorbeikommen der Minibar auf sehr amüsante Art und Weise unterhielten...


In Basel angekommen hiess es für uns die Beine in die Hand nehmen und samt Rechnern, Gepäck und mit müden Knochen den Bahnsteig zu wechseln, um innerhalb von 9 Minuten unseren Anschlusszug zu erreichen. Glücklich, endlich unsere Sitzplätze für einen längeren Zeitraum ergattert zu haben, liessen wir uns in die zumindest zum Schlafen relativ unbequemen Sitze fallen und stellten uns auf eine ruhige Nachtfahrt ein. Tja, vertan, vertan... Hatte die freundliche Dame bei der Deutschen Bahn in Flensburg nicht gesagt "Von Sonntag auf Montag, da ist in dem Zug sicherlich überhaupt nichts los, da werden Sie eine ruhige Fahrt haben".


Damit lag ihre Vorhersage nur "ganz knapp" daneben: Bahnhof für Bahnhof füllte sich der Zug und ungefähr ab Freiburg hatte man nicht einmal mehr die Möglichkeit, zur Toilette zu gehen, weil sich im Mittelgang nur noch Passagiere und Koffer zusammenquetschten. Regelmässig wurde man von irgendwelchen Leuten oder deren Gepäck angerempelt, weil jemand meinte, 2 Meter weiter hätte er vielleicht mehr Platz zum Stehen. Obwohl wir alle von den anstrengenden Tagen des Camps wirklich geschafft waren, war an Schlaf in diesem Zug jedenfalls überhaupt nicht zu denken...



Hoffnungslos überfüllt


Irgendwie hatte man wohl übersehen, dass Montag morgen von Frankfurt aus jede Menge Flugzeuge Richtung Sonne starten und deren Passagiere wollten offensichtlich alle mit unserem Zug zum Frankfurter Flughafen - selbstverständlich ohne reserviert zu haben. Warum die Deutsche Bahn nicht kurzfristig zusätzliche Wagen angehängt hat oder zumindest versucht hat, zu verhindern, dass sich noch mehr Passagiere in diesen sowieso schon überfüllten Zug quetschten, wird wohl ihr ewiges Geheimnis bleiben. Nicht nur wir, sondern alle Passagiere des Zuges waren verständlicherweise sehr verärgert über diese Situation, doch der Zugbegleiter, bei dem man sich eventuell hätte beschweren können und der einem auch Auskunft über unsere Anschlusszüge hätte geben können, der saß den Rest der Fahrt in seinem 1. Klasse-Abteil und traute sich offensichtlich nicht mehr zu uns. Er wusste vermutlich genau, was ihn dort erwartet hätte.

 

In Bruchsal hatten wir laut Anzeige auf dem Bahnsteig schon 20 Minuten Verspätung, in Frankfurt waren es bereits weit über 60 Minuten und damit war unser Anschlusszug in Bonn natürlich - wieder einmal - nicht mehr zu erreichen!




Trotz Reservierung: Sitzplatz Fussboden

In Bonn angekommen war natürlich der IC mit unseren reservierten Plätze schon vor einer Stunde abgefahren und so blieb uns nichts anderes übrig, als den nächsten zu nehmen, der Richtung Hamburg fuhr.

 

Tja, dummerweise war aber dieser Zug bereits so voll, dass für uns und unser Gepäck nur noch Stehplätze im Gang zur Verfügung standen – eine prima Sache, wenn man bedenkt, dass wir einerseits bis vor kurzem noch eine Reservierung für gute Tischplätze am Fenster mit Stromversorgung für unsere Laptops hatten und andererseits noch ca. gute 4,5 Stunden Fahrt bis Hamburg vor und bereits 11 Stunden Bahnfahrt hinter uns hatten.


Welche Stimmung mittlerweile bei uns herrschte, kann sicherlich jeder nachvollziehen: Man ist völlig geschafft von 4 super Camp-Tagen, freut sich nur noch auf einen Platz im Zug, auf dem man etwas Schlaf nachholen kann und dann steht oder liegt man im Gang des Zuges zwischen Taschen und Computern und darf alle paar Minuten Platz machen, weil irgendjemand mal wieder vorbei möchte. Wie hiess das noch in der Werbung: „Bahn fahren – Urlaub von Anfang an“ - So ganz langsam kamen in uns leise Zweifel am Wahrheitsgehalt dieser Aussage auf.

 

Natürlich schimpften wir über diese Situation und als dann ein vorbeigehender Fahrgast zu uns meinte, wo denn das Problem wäre, wir hätten ja schliesslich reservieren können, da wären wir fast geplatzt. Wir mussten uns wirklich arg beherrschen, um nicht wirklich beleidigend zu werden...

 

Glücklicherweise wurden in dem Waggon, in dem wir fuhren, nach und nach einige Plätze frei, so dass irgendwann zumindest ein Teil von uns doch noch einen richtigen Sitzplatz hatte. Das war zumindest für die Kinder und den Behinderten, die zu unserer Gruppe gehörten, eine grosse Erleichterung der Situation.

 

Weiter ging die Fahrt Richtung Norden doch kurz bevor wir Bremen erreichen sollten, hielt der Zug mitten auf der Strecke. Hm, irgendwie kam uns diese Situation verflucht bekannt vor und tatsächlich: Nach einige Minuten kam eine Durchsage, dass es einen Personenschaden gegeben hätte, der unsere Weiterfahrt erst einmal verhinderte.

 

Das konnte doch nicht wahr sein!? Wie hoch ist eigentlich die Wahrscheinlichkeit, daß man bei einer Reise innerhalb von 5 Tagen zweimal einen Zug ergattert, der anhalten muss, weil kurz zuvor jemand meinte, er müsste vor einen Zug springen? Unfassbar! Man kann sich sicherlich vorstellen, wie wir uns mittlerweile fühlten, aber jetzt war wohl der Zeitpunkt gekommen, von Wut und Ärger zu Galgenhumor überzugehen. Ein dummer Spruch jagte den nächsten und die folgenden Durchsagen über den Zuglautsprecher trugen irgendwie dazu bei, uns zu immer lauterem Lachen zu animieren. Die restlichen Fahrgäste in unserem Abteil liessen sich von dieser Stimmung übrigens anstecken und witzelten ebenso mit...




Syke: 30° im Schatten und der nächste Tote

Über 2 Stunden stand unser Zug so bei 30° im Schatten im Bahnhof von Syke, einem kleinen Ort kurz vor Bremen. Erfrischungen gab es im Zug nicht wirklich: Der Bistrowagen war morgens wegen technischer Probleme gar nicht erst mitgenommen worden, der Ersatz bestand aus einem Mitarbeiter, der aus einem Abteil heraus Getränke verkaufen sollte. Das klappte aber leider nur bedingt, denn Kaffee hatte er z.B. genug, aber nach ungefähr einer halben Stunde gingen ihm die Becher aus! Dann kam die Durchsage, dass der Aufenthalt länger dauern würde und für ältere Reisende und Kinder dort kostenlos Getränke ausgegeben würden.


Lustigerweise gab es bereits nach sehr kurzer Zeit weder Mineralwasser noch Cola oder ähnliches, nur Bier hätte man noch bekommen können. Unsere diesbezüglichen Sprüche kann man sich sicherlich vorstellen...

 

Die Aufforderung des Zugpersonals, den Zug nicht zu verlassen, wurde bereits nach relativ kurzer Zeit von vielen Passagieren ignoriert. Aufgrund der Enge im Zug war es trotz der grossen Hitze draussen eine Wohltat, sich kurz einmal die Füsse zu vertreten; dies galt sicherlich besonders für diejenigen Passagiere, die ihre Hunde mit auf diese Reise gebracht hatten.

 

Eines musste man dem Personal in diesem Zug aber zugute halten: Im Gegensatz zur vergleichbaren Situation während der Hinfahrt wurden wir diesmal über den Zuglautsprecher immer über den aktuellen Stand der Dinge auf dem Laufenden gehalten. So wurde den Reisenden, die nur nach Bremen wollten, z.B. angeboten, mit bereitgestellten Bussen die Weiterfahrt anzutreten. Der Rest von uns musste die Wartezeit einfach in Kauf nehmen.

 

Irgendwann ging die Fahrt aber dann doch weiter und wir erreichten dann tatsächlich mit ca. 220 Minuten Verspätung Hamburg. Der nächste Zug nach Flensburg sollte in 30 Minuten fahren uns so nutzten wir diesen kurzen Aufenthalt, um endlich etwas zu essen und zu trinken. Immerhin gab es – von den mitgenommenen Snacks einmal abgesehen - die letzte Mahlzeit vor mittlerweile gut 26 Stunden.

 

Selbstverständlich wollten wir uns auch diese „kleine“ Verspätung für unsere Beschwerde an die Bahn schriftlich bestätigen lassen. Als der Mitarbeiter der Bahn, der wohl der Aussichtsführende auf dem Bahnsteig war, dann allerdings meinte, wir sollten doch gefälligst dafür sorgen, dass niemand vor die Züge springt, dann würde die Bahn auch pünktlich sein, hätte es fast den 3. Todesfall während dieser Reise gegeben. Nicht nur wir, auch viele andere Reisende aus diesem Zug, die diesen in pampigen Ton gesagten Spruch mitbekamen, empfanden das als eine absolute Unverschämtheit und die DB wird sicherlich nicht nur von uns entsprechende Beschwerden erhalten.

 

Die letzte Etappe der Reise mit dem „FLEX“ Richtung Flensburg war gegen das bisher Erlebte eigentlich nur noch ein Katzensprung und gegen 17:00 Uhr hatte Flensburg uns dann endlich wieder. Immerhin stellte uns der (freundliche) DB-Service am Flensburger Bahnhof als kleines Entgegenkommen für das während unserer Reise Erlebte noch Taxi-Gutscheine aus, so mussten wir die letzten Meter wenigstens nicht noch mit dem Bus oder zu Fuss hinter uns bringen.

 

Zuhause angekommen wollten wir verständlicherweise nur noch eins: Duschen und Schlafen.


Aus unserer Sicht kann man das LUG Camp 2003 so zusammenfassen:


Das Camp selbst war spitze, die Fahrt mit der Bahn allerdings ein Horrortrip, der einen bleibenden Eindruck bei uns hinterlassen hat und den wir in dieser Form nie wieder erleben möchten. Trotzdem werden wir alle mit Sicherheit auch beim nächsten Camp dabeisein, wo immer das auch stattfinden wird!




15 Flensburger in Felsberg