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LUG Camp 2003 - Erlebnisbericht der etwas anderen Art

Die Anreise

 

5,4,3,2,1! Endlich war es soweit:

 

Wir, die Mitglieder der LUG Flensburg e.V., durften uns nach einem langen Jahr Wartezeit auf den Weg Richtung Schweiz machen: LUG Camp 2003 ist angesagt! Nachdem das LUG Camp 2002 bei uns in Flensburg stattfand, ging es in diesem Jahr genau in die anderen Richtung: Auf in den S├╝den!

 

Wir trafen uns am Tag vor dem Beginn des Camps um 18:00 Uhr am Flensburger Bahnhof. Gro├če Augen bei den anderen Reisenden: Was sind das denn f├╝r welche: F├╝rchterlich gute Laune, viele gro├če Taschen und die Wahnsinnigen schleppen sogar Computer und Monitore Richtung Bahnsteig! Sowas sieht man dort nicht alle Tage.

Treffen am Flensburger Bahnhof 28.05., 18:13 Uhr:

 

Nun ging es tats├Ąchlich los: Die Fahrt im "FLEX" Richtung Hamburg begann. Irgendwie hatten wir wohl noch gar nicht realisiert, dass laut Reiseplanung nun 18 Stunden Bahnfahrt vor uns lagen, wenn alles klappt. Die Stimmung war jedenfalls super und alle freuten sich darauf, die anderen "Camper" wiederzutreffen. Nat├╝rlich wurde palavert ohne Ende: "Weisst Du noch? Im letzten Jahr... " - Der Stoff f├╝r Unterhaltungen geht uns vermutlich nie aus...

 

In Rendsburg stieg Jens noch in den Zug. Mit 15 Camp-Teilnehmern der LUG Flensburg e.V. waren wir nun endlich komplett und es ging weiter Richtung S├╝den...

28.05., 20:00 Uhr:

 

Der erste Teil der Reise war geschafft: Wir hatten Hamburg-Dammtor erreicht und hatten 2 Stunden Aufenthalt, bis es weiter ging. Was blieb uns ├╝brig, als unser gesamtes Ger├Âdel zu schnappen und erstmal das Restaurant mit dem grossen, goldenen M aufzusuchen.

 

Dort schauten einige Passanten ziemlich verdutzt drein, als die ersten von uns ihre Laptops auspackten, Antennen in die Luft hielten und nach offenen WLANs in Bahnhofsn├Ąhe suchten... Die Wartezeit verflog jedenfalls f├Ârmlich und um viertel nach 10 enterten wir den Nachtzug nach Frankfurt...

Leider hatte dieser Zug keine Stromversorgung f├╝r unsere Rechner und den WLAN-Accesspoint, aber wenn man zum LUG Camp f├Ąhrt, dann denkt man nat├╝rlich an alles. Reisetasche aufmachen, 600VA-USV rausholen und den AP anschliessen dauerte nicht lange und sofort stand zumindest einem Teil von uns WLAN zur Verf├╝gung. F├╝r „War-Driving“ war der Zug wohl etwas zu schnell, aber zumindest wir untereinander hatten Verbindung. Da wir sowohl Liege- als auch Sitzpl├Ątze reserviert haben, waren wir leider in verschiedenen Waggons des Zuges untergebracht. Was soll's, daf├╝r war halt nachts etwas mehr Betrieb auf den G├Ąngen im Zug...

 

28.05., ca. 23:00 Uhr:

 

Was soll das denn? Mitten auf der Strecke, kurz nachdem wir Hamburg-Harburg passiert hatten, hielt der Zug pl├Âtzlich an. Hm, strange! Anhalter werden von der Bahn normalerweise nicht mitgenommen, also musste da wohl irgendwas passiert sein. Kein Problem: Fenster auf und nachsehen. Doch kaum war das Fenster offen, kam ein f├╝rchterlicher Gestank rein! Was war denn hier los?

 

Kurz darauf hektische Aktivit├Ąten sowohl neben dem Zug als auch auf dem Gang: Ein Blick aus dem Fenster nach hinten zeigte uns, dass es einige Waggons hinter uns f├╝rchterlich qualmte....

 

Oha, da brannte also wohl irgendwas, aber da wir in einem Nachtzug fuhren und ein Teil der Reisenden sicherlich schon schlief, wurden wir nat├╝rlich nicht ├╝ber den Zuglautsprecher informiert, was dort tats├Ąchlich vor sich ging. Nach ca. 30 Minuten setzte sich der Zug endlich wieder in Bewegung und als einer der Zugbegleiter (die ├╝brigens sehr freundlich waren) an unserem Abteil vorbeikam, erfuhren wir endlich den Grund des Halts: Eine Bremse hatte sich irgendwie festgesetzt und dadurch war es wohl zu einem Brand gekommen. Nichts, was das Zugpersonal mit 5 oder 6 Feuerl├Âscher nicht in den Griff bekommen konnte...

 

 

Wenn die Fahrt aber in diesem Stil weitergehen w├╝rde, dann konnte das ja noch richtig lustig werden, zumal der Zug zwischenzeitlich ├╝ber eine Stunde hinter dem Fahrplan herfuhr. Geschlafen hatte in diesem Nachtzug allerdings niemand von uns, denn einerseits waren wir nat├╝rlich alle ziemlich aufgeregt, weil es endlich zum LUG Camp ging, zum anderen waren die Sitze zum Schlafen zu unbequem und im Liegeabteil herrschten Temperaturen, die ein Schlafen unm├Âglich machten. Das Abteil war eher mit einer Sauna zu vergleichen...

Der Rest dieses Fahrtabschnitts verlief aber ziemlich reibungslos und morgens um kurz nach 6 liefen wir mit nur noch ca. 30 Minuten Versp├Ątung in Frankfurt ein.

 

Um 7 Uhr ging es weiter mit dem ICE nach Z├╝rich, doch ca. 5 Minuten, bevor wir Mannheim erreichen sollten, hielt der Zug pl├Âtzlich in irgendeinem kleinen Bahnhof auf der Strecke....

 

Naja, das wird schon seine Richtigkeit haben, doch beim Blick aus dem Zug auf den Bahnsteig sah man dort etwas liegen, was wie ein Arm aussah. Im Gleisbett vor dem Bahnsteig lag etwas, was wie ein Teil eines Oberk├Ârper aussah. Im Gang standen einige Kiddies am Fenster, die laut kicherten, diese Szene fotografierten und witzelten "Guck mal da, das sieht aus wie echt! Drehen die hier 'nen Film? Usw."

Bestimmt 15 Minuten lang ├Ąnderte sich an dieser Situation nichts, doch dann kam Bewegung in die Szene: Draussen liefen 2 Polizisten hektisch ├╝ber den Bahnsteig und bedeckten die offensichtlich doch echten K├Ârperteile mit Decken und ├╝ber die Lautsprecher kam eine Durchsage, dass es einen Unfall mit Personenschaden gegeben h├Ątte und der Zug zur├╝ckfahren m├╝sse und umgeleitet w├╝rde... Da war wohl jemand vor den Zug gesprungen, der direkt vor unserem fuhr und wir hatten zuf├Ąlligerweise genau da angehalten, wo das passiert war... Ziemlich makaber, vor allem, wenn man an das Gekicher kurz zuvor denkt...

 

Tja, das alles hatte nat├╝rlich dazu gef├╝hrt, dass wir, als wir uns der Schweizer Grenze n├Ąherten, ca. 90 Minuten Versp├Ątung hatten. Das war dann auch der Moment, in dem wir feststellen durften, wie flexibel die Deutsche Bahn mittlerweile geworden ist: Pl├Âtzlich kam eine Durchsage, da├č unser Zug nicht wie im Fahrplan vorgesehen nach Z├╝rich, sondern wegen der der enormen Versp├Ątung nur bis Basel fahren w├╝rde. Wie? Was? Und wie kommen wir weiter? Hey Mann, wir wollen zum LUG Camp und die lassen uns nicht!

 

Die Zugbegleiter erz├Ąhlten uns nur "Ach, Sie werden schon weiterkommen, da gibt es noch andere Z├╝ge in ihre Richtung" - Ja, prima, aber in denen sind nicht unsere gegen Geb├╝hr reservierten Pl├Ątze! - Was soll's? ├ändern konnten wir an der Situation eh nichts, aber die verschenkten Geb├╝hren werden wir uns sicherlich zur├╝ckholen!

 

Irgendwann kamen wir dann auch endlich mit ├╝ber einer Stunde Versp├Ątung in Basel an und dort lernten wir zum ersten Mal die Freundlichkeit des Schweizer Bahnpersonals kennen. Die Jungs (und M├Ądels) haben sich wirklich richtig M├╝he gegeben und uns sehr gut informiert, wie wir denn nun auf schnellstem Wege unser Ziel erreichen k├Ânnen. Um ca. 15:00 Uhr kamen wir dann endlich mit zweist├╝ndiger Versp├Ątung in Felsberg an. Nun konnte auch f├╝r uns Flensburger das LUG Camp 2003 endlich richtig beginnen!

Vor Ort: Hohe Deiche - wenig Wasser

Zuerst einmal gab es selbstverst├Ąndlich ein grosses Hallo, schliesslich kannte man die meisten Teilnehmer noch von den vorhergehenden Camps. Dann ging es gleich an's Platz suchen. Dadurch, dass wir so sp├Ąt angekommen waren, waren die "besten Pl├Ątze" nat├╝rlich schon lange vergeben und 15 zusammenh├Ąngende Pl├Ątze gab es selbstverst├Ąndlich auch nicht mehr. Das st├Ârte aber nicht wirklich; wir teilten uns einfach auf und mischten uns unter's Volk. Eigentlich war das sowieso viel besser, denn dadurch hatte man nat├╝rlich viel mehr Kontakt zu den anderen Teilnehmern.

Nachdem wir uns h├Ąuslich niedergelassen hatten, gingen wir nat├╝rlich erstmal vor die T├╝r und wollten einen ersten Eindruck vom Veranstaltungsort gewinnen. Gerade f├╝r uns Nordlichter sind „richtige“ Berge ja doch etwas Besonderes, schliesslich sind die „Deiche“ bei uns an der K├╝ste deutlich niedriger als in der Schweiz und mehr Wasser haben wir auch. Es war f├╝r uns faszinierend zu sehen, dass wir in Felsberg mit T-Shirts und kurzen Hosen herumliefen und auf den „H├╝geln“ rundum noch Schnee auf den Spitzen lag.

Zur Unterbringung der 140 – 150 Teilnehmer hatte die LUG Switzerland eine Zivilschutzanlage organisiert. Auch das Schlafen in einem Bunker war f├╝r viele ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Unsere Rechner standen in der Aula der ├Ârtlichen Schule, deren Platzangebot wirklich bis zum Letzten ausgenutzt wurde. Das LUG Camp wird offensichtlich f├╝r immer mehr Linux-Fans ein fester Termin in der Jahresplanung, denn von Jahr zu Jahr kommen mehr Teilnehmer zu diesem tollen Ereignis. Gl├╝cklicherweise stand zus├Ątzlich reichlich Platz f├╝r Wohnmobile und Zelte zur Verf├╝gung; damit war sichergestellt, dass jeder der wollte, auch einen Schlafplatz bekam.

In den folgenden 4 Tagen standen nat├╝rlich wieder jede Menge Vortr├Ąge und Workshops auf dem Programm. Ob es zum Beispiel um MySQL oder fli4l ging, um die Funktionsweise bestimmter Hardware, WLAN und seine M├Âglichkeiten und Risiken oder den Umbau der X-Box zu einem vollwertigen Computer unter Linux: F├╝r jeden Teilnehmer war sicherlich etwas dabei, was f├╝r ihn von Interesse war. Leider gab es zeitweise Probleme mit dem LAN, weil einige „Experten“ zum Beispiel meinten, ihr mitgebrachter DSL-Router sollte auch im LAN immer noch nach seinem T-Online-Zugang suchen, oder ihr Samba-Server sollte weiterhin seine Drucker anpreisen...

 

Doch nat├╝rlich waren nicht nur Fachthemen angesagt: Die LUG Switzerland hatte z.B. auch eine leichte Bergwanderung organisiert. Bei dieser Gelegenheit mussten einige von uns feststellen, dass wir von der K├╝ste unter „leicht“ wohl etwas anderes verstehen. Die Landschaft allerdings war wirklich beeindruckend, vor allem f├╝r jemanden, der die Berge noch nie live gesehen hat.

 

Viele von uns haben sich auch nicht nur die direkte Umgebung des Camps sondern auch zum Beispiel die Stadt Chur angesehen, die quasi „gleich um die Ecke“, sprich hinter irgendeinem Berg lag. So kam es, dass man in Chur immer wieder auf Gruppen von Typen in T-Shirts mit Pinguinen traf.

 

Chur und besonders seine Altstadt gefielen uns wirklich sehr und absolut zu empfehlen ist das „Ketchup-Eis“, welches es in einer kleinen Eisdiele in der Innenstadt gab und sicher noch gibt: Die behaupteten dort doch allen Ernstes, das w├Ąre Blutorangeneis – ausgesehen hat es aber tats├Ąchlich wie gefrorener Ketchup und geschmeckt hat es wirklich super! Lustigerweise sprach die Verk├Ąuferin hinter dem Tresen ein Deutsch, welches man absolut nicht in der Schweiz erwartet h├Ątte. Eine Nachfrage erkl├Ąrte dann alles: Die Frau war eigentlich K├Âlnerin und irgendwie in der Schweiz h├Ąngengeblieben... Ja, so klein ist die Welt!

 

Ein Hinweis f├╝r alle, die nach uns in die Schweiz fahren m├Âchten: Nicht jeder Schweizer spricht so, da├č der „Otto-Normal-Deutsche“ ihn auch versteht und richtiges Schwitzerd├╝tsch ist auch wenn „Deutsch“ im Namen vorkommt von Hochdeutsch ungef├Ąhr so weit entfernt wie der Nordpol vom ├äquator! Gl├╝cklicherweise war das aber die Ausnahme und wenn dieser Fall mal eintrat, dann war eigentlich stehts jemand zur Stelle, der die ├ťbersetzung vornehmen konnte.

Endlich: Die Fleischversorgung ist sichergestellt!

Die Verpflegung w├Ąhrend des Camps sorgte anfangs f├╝r Nachdenken: Der gew├Âhnlichen, fleischessenden Campteilnehmer f├╝hlte sich zeitweise wie auf einem Treffen der anonymen Vegetarier und einige von uns unkten schon, dass sie am n├Ąchsten Tag mit Kaninchenz├Ąhnen aufwachen w├╝rden; dem war nat├╝rlich nicht so und am Abend des 3. Camptages wussten wir auch, warum das vermutlich so gelaufen war:

 

Da fand n├Ąmlich eine Grillparty statt, die einer Fleisch-Flatrate gleichkam! Dem ├Ârtlichen Schlachter, der es sich offensichtlich nicht nehmen liess, sein Fleisch zusammen mit seiner Frau selbst zu grillen, sei gesagt: Einfach Spitze und super-lecker! Eines sollte jeder Campteilnehmer sich aber auf jeden Fall merken: Wenn ein Schweizer dir sagt, eine Sauce sei scharf, dann glaube ihm das!

Holy shit! Die waren scharf!

Hoi! Die verschiedenen, zum Teil schon vom Flensburger LUG Camp bekannten Chili-Saucen die Venty organisiert hatte, die haben es wirklich in sich und Max, der es sich nicht nehmen liess, die Sorte „Death“ zu testen, wollte uns wohl beweisen, was f├╝r ein harter Kerl er doch war! Das St├╝ck Fleisch mit dieser Sauce hat er auch tapfer gegessen, allerdings musste er die Wirkung von „Death“ anschliessend mit reichlich Weissbrot und Cola bek├Ąmpfen. Dumm nur, wenn man etwas von diesem Teufelszeug an den Finger bekommen hat und sich mit diesem Finger sp├Ąter die m├╝den Augen reibt! F├╝r die n├Ąchsten Stunden kann man mit diesem Auge vor lauter Tr├Ąnen wirklich nichts mehr sehen...

Aber: Bleibende Sch├Ąden traten allerdings an Max nicht auf und er kann zuk├╝nftig immerhin behaupten, er h├Ątte „Death“ als einziger aus unserer LUG tats├Ąchlich am eigenen K├Ârper getestet.

Die K├╝chenchefs: Ellen und Kr├╝mi

├ťberhaupt: Ein dickes Lob und Dank an die K├╝chencrew um Ellen herum: Alle Mahlzeiten wurden vom K├╝chendrachen und ihren Sklaven komplett selbst zubereitet und was das f├╝r eine Heidenarbeit so etwas ist, kann sicherlich jeder nachvollziehen, der schon einmal in der K├╝che stand und f├╝r sich selbst gekocht hat. Das Ganze dann f├╝r 150 verschiedenen Geschm├Ącker – dass man es dabei niemals f├╝r alle 100% richtig machen kann, dass liegt in der Natur der Sache!

Die R├╝ckreise: On the road again...

Warten auf die Abfahrt...

Leider verflog die Zeit wie wohl immer bei solchen Gelegenheiten viel zu schnell und sonntags ging das LUG Camp 2003 schon wieder zu Ende. Dummerweise hatten wir uns von der Bahn ├╝berreden lassen, auch f├╝r die R├╝ckfahrt den „bequemen“ Nachtzug zu nehmen. Daher sollte unser Zug erst um 20:15 in Chur abfahren. Da das LUG Camp allerdings schon um 14:00 Uhr offiziell beendet war, hatten wir leider eine ziemlich lange und nervige Wartezeit zu ├╝berbr├╝cken. Naja, was soll's: Nachdem wir dann irgendwann jede Taube auf dem Bahnhofsvorplatz von Chur mit Vornamen kannten, n├Ąherte sich endlich unser Zug und unsere R├╝ckreise begann.

 

Den Typen, der mit der Minibar durch diesen Zug lief, den h├Ątten wir ├╝brigens am liebsten gleich f├╝r den gesamten Rest der Reise fest gebucht: Nachdem Arnim ihn in seinem w├Ąhrend des Camps nahezu „perfekt“ erlernten schweizer Dialekt ansprach, entwickelte sich eine wahre "M├Ąnnerfreundschaft": Dumme Spr├╝che bis der Arzt kam und die nicht nur uns, sondern s├Ąmtliche Fahrg├Ąste in diesem Wagen bei jedem Vorbeikommen der Minibar auf sehr am├╝sante Art und Weise unterhielten...

In Basel angekommen hiess es f├╝r uns die Beine in die Hand nehmen und samt Rechnern, Gep├Ąck und mit m├╝den Knochen den Bahnsteig zu wechseln, um innerhalb von 9 Minuten unseren Anschlusszug zu erreichen. Gl├╝cklich, endlich unsere Sitzpl├Ątze f├╝r einen l├Ąngeren Zeitraum ergattert zu haben, liessen wir uns in die zumindest zum Schlafen relativ unbequemen Sitze fallen und stellten uns auf eine ruhige Nachtfahrt ein. Tja, vertan, vertan... Hatte die freundliche Dame bei der Deutschen Bahn in Flensburg nicht gesagt "Von Sonntag auf Montag, da ist in dem Zug sicherlich ├╝berhaupt nichts los, da werden Sie eine ruhige Fahrt haben".

Hoffnungslos ├╝berf├╝llt

Damit lag ihre Vorhersage nur "ganz knapp" daneben: Bahnhof f├╝r Bahnhof f├╝llte sich der Zug und ungef├Ąhr ab Freiburg hatte man nicht einmal mehr die M├Âglichkeit, zur Toilette zu gehen, weil sich im Mittelgang nur noch Passagiere und Koffer zusammenquetschten. Regelm├Ąssig wurde man von irgendwelchen Leuten oder deren Gep├Ąck angerempelt, weil jemand meinte, 2 Meter weiter h├Ątte er vielleicht mehr Platz zum Stehen. Obwohl wir alle von den anstrengenden Tagen des Camps wirklich geschafft waren, war an Schlaf in diesem Zug jedenfalls ├╝berhaupt nicht zu denken...

Irgendwie hatte man wohl ├╝bersehen, dass Montag morgen von Frankfurt aus jede Menge Flugzeuge Richtung Sonne starten und deren Passagiere wollten offensichtlich alle mit unserem Zug zum Frankfurter Flughafen - selbstverst├Ąndlich ohne reserviert zu haben. Warum die Deutsche Bahn nicht kurzfristig zus├Ątzliche Wagen angeh├Ąngt hat oder zumindest versucht hat, zu verhindern, dass sich noch mehr Passagiere in diesen sowieso schon ├╝berf├╝llten Zug quetschten, wird wohl ihr ewiges Geheimnis bleiben. Nicht nur wir, sondern alle Passagiere des Zuges waren verst├Ąndlicherweise sehr ver├Ąrgert ├╝ber diese Situation, doch der Zugbegleiter, bei dem man sich eventuell h├Ątte beschweren k├Ânnen und der einem auch Auskunft ├╝ber unsere Anschlussz├╝ge h├Ątte geben k├Ânnen, der sa├č den Rest der Fahrt in seinem 1. Klasse-Abteil und traute sich offensichtlich nicht mehr zu uns. Er wusste vermutlich genau, was ihn dort erwartet h├Ątte.

 

In Bruchsal hatten wir laut Anzeige auf dem Bahnsteig schon 20 Minuten Versp├Ątung, in Frankfurt waren es bereits weit ├╝ber 60 Minuten und damit war unser Anschlusszug in Bonn nat├╝rlich - wieder einmal - nicht mehr zu erreichen!

Trotz Reservierung: Sitzplatz Fussboden

In Bonn angekommen war nat├╝rlich der IC mit unseren reservierten Pl├Ątze schon vor einer Stunde abgefahren und so blieb uns nichts anderes ├╝brig, als den n├Ąchsten zu nehmen, der Richtung Hamburg fuhr.

 

Tja, dummerweise war aber dieser Zug bereits so voll, dass f├╝r uns und unser Gep├Ąck nur noch Stehpl├Ątze im Gang zur Verf├╝gung standen – eine prima Sache, wenn man bedenkt, dass wir einerseits bis vor kurzem noch eine Reservierung f├╝r gute Tischpl├Ątze am Fenster mit Stromversorgung f├╝r unsere Laptops hatten und andererseits noch ca. gute 4,5 Stunden Fahrt bis Hamburg vor und bereits 11 Stunden Bahnfahrt hinter uns hatten.

Welche Stimmung mittlerweile bei uns herrschte, kann sicherlich jeder nachvollziehen: Man ist v├Âllig geschafft von 4 super Camp-Tagen, freut sich nur noch auf einen Platz im Zug, auf dem man etwas Schlaf nachholen kann und dann steht oder liegt man im Gang des Zuges zwischen Taschen und Computern und darf alle paar Minuten Platz machen, weil irgendjemand mal wieder vorbei m├Âchte. Wie hiess das noch in der Werbung: „Bahn fahren – Urlaub von Anfang an“ - So ganz langsam kamen in uns leise Zweifel am Wahrheitsgehalt dieser Aussage auf.

 

Nat├╝rlich schimpften wir ├╝ber diese Situation und als dann ein vorbeigehender Fahrgast zu uns meinte, wo denn das Problem w├Ąre, wir h├Ątten ja schliesslich reservieren k├Ânnen, da w├Ąren wir fast geplatzt. Wir mussten uns wirklich arg beherrschen, um nicht wirklich beleidigend zu werden...

 

Gl├╝cklicherweise wurden in dem Waggon, in dem wir fuhren, nach und nach einige Pl├Ątze frei, so dass irgendwann zumindest ein Teil von uns doch noch einen richtigen Sitzplatz hatte. Das war zumindest f├╝r die Kinder und den Behinderten, die zu unserer Gruppe geh├Ârten, eine grosse Erleichterung der Situation.

 

Weiter ging die Fahrt Richtung Norden doch kurz bevor wir Bremen erreichen sollten, hielt der Zug mitten auf der Strecke. Hm, irgendwie kam uns diese Situation verflucht bekannt vor und tats├Ąchlich: Nach einige Minuten kam eine Durchsage, dass es einen Personenschaden gegeben h├Ątte, der unsere Weiterfahrt erst einmal verhinderte.

 

Das konnte doch nicht wahr sein!? Wie hoch ist eigentlich die Wahrscheinlichkeit, da├č man bei einer Reise innerhalb von 5 Tagen zweimal einen Zug ergattert, der anhalten muss, weil kurz zuvor jemand meinte, er m├╝sste vor einen Zug springen? Unfassbar! Man kann sich sicherlich vorstellen, wie wir uns mittlerweile f├╝hlten, aber jetzt war wohl der Zeitpunkt gekommen, von Wut und ├ärger zu Galgenhumor ├╝berzugehen. Ein dummer Spruch jagte den n├Ąchsten und die folgenden Durchsagen ├╝ber den Zuglautsprecher trugen irgendwie dazu bei, uns zu immer lauterem Lachen zu animieren. Die restlichen Fahrg├Ąste in unserem Abteil liessen sich von dieser Stimmung ├╝brigens anstecken und witzelten ebenso mit...

Syke: 30┬░ im Schatten und der n├Ąchste Tote

├ťber 2 Stunden stand unser Zug so bei 30┬░ im Schatten im Bahnhof von Syke, einem kleinen Ort kurz vor Bremen. Erfrischungen gab es im Zug nicht wirklich: Der Bistrowagen war morgens wegen technischer Probleme gar nicht erst mitgenommen worden, der Ersatz bestand aus einem Mitarbeiter, der aus einem Abteil heraus Getr├Ąnke verkaufen sollte. Das klappte aber leider nur bedingt, denn Kaffee hatte er z.B. genug, aber nach ungef├Ąhr einer halben Stunde gingen ihm die Becher aus! Dann kam die Durchsage, dass der Aufenthalt l├Ąnger dauern w├╝rde und f├╝r ├Ąltere Reisende und Kinder dort kostenlos Getr├Ąnke ausgegeben w├╝rden.

Lustigerweise gab es bereits nach sehr kurzer Zeit weder Mineralwasser noch Cola oder ├Ąhnliches, nur Bier h├Ątte man noch bekommen k├Ânnen. Unsere diesbez├╝glichen Spr├╝che kann man sich sicherlich vorstellen...

 

Die Aufforderung des Zugpersonals, den Zug nicht zu verlassen, wurde bereits nach relativ kurzer Zeit von vielen Passagieren ignoriert. Aufgrund der Enge im Zug war es trotz der grossen Hitze draussen eine Wohltat, sich kurz einmal die F├╝sse zu vertreten; dies galt sicherlich besonders f├╝r diejenigen Passagiere, die ihre Hunde mit auf diese Reise gebracht hatten.

 

Eines musste man dem Personal in diesem Zug aber zugute halten: Im Gegensatz zur vergleichbaren Situation w├Ąhrend der Hinfahrt wurden wir diesmal ├╝ber den Zuglautsprecher immer ├╝ber den aktuellen Stand der Dinge auf dem Laufenden gehalten. So wurde den Reisenden, die nur nach Bremen wollten, z.B. angeboten, mit bereitgestellten Bussen die Weiterfahrt anzutreten. Der Rest von uns musste die Wartezeit einfach in Kauf nehmen.

 

Irgendwann ging die Fahrt aber dann doch weiter und wir erreichten dann tats├Ąchlich mit ca. 220 Minuten Versp├Ątung Hamburg. Der n├Ąchste Zug nach Flensburg sollte in 30 Minuten fahren uns so nutzten wir diesen kurzen Aufenthalt, um endlich etwas zu essen und zu trinken. Immerhin gab es – von den mitgenommenen Snacks einmal abgesehen - die letzte Mahlzeit vor mittlerweile gut 26 Stunden.

 

Selbstverst├Ąndlich wollten wir uns auch diese „kleine“ Versp├Ątung f├╝r unsere Beschwerde an die Bahn schriftlich best├Ątigen lassen. Als der Mitarbeiter der Bahn, der wohl der Aussichtsf├╝hrende auf dem Bahnsteig war, dann allerdings meinte, wir sollten doch gef├Ąlligst daf├╝r sorgen, dass niemand vor die Z├╝ge springt, dann w├╝rde die Bahn auch p├╝nktlich sein, h├Ątte es fast den 3. Todesfall w├Ąhrend dieser Reise gegeben. Nicht nur wir, auch viele andere Reisende aus diesem Zug, die diesen in pampigen Ton gesagten Spruch mitbekamen, empfanden das als eine absolute Unversch├Ąmtheit und die DB wird sicherlich nicht nur von uns entsprechende Beschwerden erhalten.

 

Die letzte Etappe der Reise mit dem „FLEX“ Richtung Flensburg war gegen das bisher Erlebte eigentlich nur noch ein Katzensprung und gegen 17:00 Uhr hatte Flensburg uns dann endlich wieder. Immerhin stellte uns der (freundliche) DB-Service am Flensburger Bahnhof als kleines Entgegenkommen f├╝r das w├Ąhrend unserer Reise Erlebte noch Taxi-Gutscheine aus, so mussten wir die letzten Meter wenigstens nicht noch mit dem Bus oder zu Fuss hinter uns bringen.

 

Zuhause angekommen wollten wir verst├Ąndlicherweise nur noch eins: Duschen und Schlafen.

Aus unserer Sicht kann man das LUG Camp 2003 so zusammenfassen:

Das Camp selbst war spitze, die Fahrt mit der Bahn allerdings ein Horrortrip, der einen bleibenden Eindruck bei uns hinterlassen hat und den wir in dieser Form nie wieder erleben m├Âchten. Trotzdem werden wir alle mit Sicherheit auch beim n├Ąchsten Camp dabeisein, wo immer das auch stattfinden wird!

15 Flensburger in Felsberg