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Planungen

 

Nach einigem "Brainstorming" bei FMLT oder LEA war es am 12. November es dann endlich soweit: Nein, nicht unsere Abfahrt! Ihr erinnert euch? Es geht immer noch um den SOMMER-Urlaub...

 

Wir trafen uns zum ersten Crew-Meeting! Crew-Meeting deshalb, weil wir ja beschlossen hatten, uns eine Motoryacht zu chartern und damit kreuz und quer durch Friesland zu shippern...

 

Die erste Frage, die sich uns stellte: WANN wollen wir fahren?

 

Ok, die hatten wir nach einem Blick in den Kalender (und auf die Preisliste) schnell gekl├Ąrt: Ende August/Anfang September 2006 werden wir also Holland ├╝berfallen und denen den K├Ąse klauen...

 

Dieser Zeitraum f├Ąllt gl├╝cklicherweise nicht mehr in die Hauptsaison und dadurch wird die Sache nicht ganz so teuer. Ausserdem hoffen wir einfach mal, dass das Wetter dann etwas mitspielt und wir nicht die ganze Zeit in Regenklamotten rumlaufen m├╝ssen.

 

Zur gezielten Vorbereitung auf diesen Auslandsaufenthalt stand irgendwann pl├Âtzlich eine Flasche Genever auf dem Tisch und jedes Crewmitglied "durfte" mal von diesem holl├Ąndischen Nationalgetr├Ąnk kosten.

 

Vermutlich schmeckt dieser Genever deshalb so gut, weil die Holl├Ąnder sich darauf spezialisiert haben. Dummerweise haben sie es unterlassen, sich in Sachen Bier brauen weiterzubilden. Da wir uns aber nicht mit Heineken und Co. vergiften lassen m├Âchten, wurde sofort festgelegt, da├č wir uns f├╝r lange Abende an Bord mit ausreichend Flens eindecken werden.

 

Der Charterer

Ausgangspunkt f├╝r unsere Tour: Langelille

Da Mike und Uschi schon entsprechende Erfahrungen sammeln konnten, haben wir uns f├╝r ein bereits erprobtes Charterunternehmen entschieden.

 

De Driesprong Yachtcharters hat seinen Sitz in Langelille, dass liegt nicht weit von Lemmer in unmittelbarer N├Ąhe zur s├╝d-├Âstlichen Ecke des Ijsselmeeres und ist ein richtig guter Ausgangsort f├╝r unsere Tour durch West-Friesland.

Alopia

"Unser" Schiff, die Alopia

 

Als n├Ąchstes ging es daran, die richtige Yacht f├╝r uns auszuw├Ąhlen. Die Wahl fiel auf die "Alopia", ganz einfach deshalb, weil Mike und Uschi sie schon kennen, weil die Yacht komfortabel ausgestattet ist und weil sie uns allen ausreichend Platz bietet.

 

Ganz nebenbei sieht sie auch noch gut aus. Vor allem aber ist auf der "Alopia" ein Konverter installiert, der uns bzw. unsere Laptops rund um die Uhr mit 230V versorgen kann, ein unsch├Ątzbarer Vorteil, wenn man von einem Boot aus die holl├Ąndischen WLANs erkunden m├Âchte...

 

Die Dieselmaschine unserer Yacht "Alopia" hat 120 PS, das h├Ârt sich vielleicht gewaltig an, da aber auf den holl├Ąndischen Grachten, auf denen wir uns vorrangig rumtreiben werden, fast ├╝berall eine Geschwindigkeitsbegrenzung gilt (die auch kontrolliert wird!), sind die Motoren der Charteryachten eigentlich alle gedrosselt. So ist das nat├╝rlich auch bei der Alopia. Die H├Âchstgeschwindigkeit der Alopia liegt bei ungef├Ąhr 10 km/h, was aber v├Âllig ausreichend ist: wir wollen ja Urlaub machen und keine Rennen bestreiten...

F├╝hrerschein?

 

Wir alle kennen es aus Deutschland: Wenn es irgendwo etwas zu regeln gibt, dann wird das auch geregelt und wenn man irgendwo amtlicherseits etwas best├Ątigen kann, dann wird das auch so gemacht. Daher w├╝rde man f├╝r unser Vorhaben in Deutschland zwingend einen Sportbootf├╝hrerschein ben├Âtigen.

 

In Holland sieht das etwas anders aus: Wir alle wissen, dass der gew├Âhnliche Holl├Ąnder st├Ąndig mit seinem Wohnwagen hinter dem Auto durch die Gegend f├Ąhrt, mit Vorliebe nat├╝rlich auf deutschen Autobahnen.

 

In seiner Heimat jedoch nimmt der Holl├Ąnder kein Auto:

 

In Friesland - und genau dort wollen wir hin - haben die H├Ąuser h├Ąufiger einen Bootsanleger als eine Garage oder einen Parkplatz. Da Friesland tats├Ąchlich reichlich von Kan├Ąlen und Grachten durchzogen ist, macht solch ein Liegeplatz sicherlich auch viel mehr Sinn, da man eigentlich jeden Ort bequem mit dem Boot erreichen kann.

 

Aus diesen Zw├Ąngen und auch aus Tradition heraus ben├Âtigt man in Holland keinen F├╝hrerschein, wenn man sich mit dem Boot auf die Reise macht. (Naja, ab einer gewissen Gr├Âsse schon, aber da z├Ąhlt die Alopia noch nicht zu).

 

Die Crew erh├Ąlt Zuwachs

 

Nun, wo die Planungen schon in vollem Gange sind, bekommt die urspr├╝ngliche Crew ein Problem:

 

Matthias (ihr kennt ihn alle: das kleine Fressmonster auf Flensburg) hat uns angedroht, ebenfalls mitzufahren.

 

DAS wirft nat├╝rlich s├Ąmtliche Planungen ├╝ber den Haufen, vor allem diejenigen, die sich mit der Verpflegung und den einzukaufenden Mengen besch├Ąftigen.

 

Und nicht nur das: "Erschwerend" kommt im wahrsten Sinne des Wortes dazu, dass wir oder besser die Alopia, durch die f├╝r ihn ben├Âtigte Zusatzverpflegung nat├╝rlich deutlich mehr Tiefgang bekommt und das m├╝ssen wir unbedingt bei der Routenplanung ber├╝cksichtigen, sonst sitzen wir vermutlich irgendwann auf Schlick.

 

Es gibt aber sicherlich nichts Dem├╝tigenderes und Peinlicheres, als sich ausgerechnet in Holland mit dem Boot festzufahren und von einem Holl├Ąnder wieder befreien lassen zu m├╝ssen...

 

"All ships, all ships, this is Alopia. We're sitting on shit; please make us free..."

 

...ist mit Sicherheit das Letzte, was wir h├Âren wollen. Also lieber gleich richtig planen und solche Stockfehler vermeiden ;)

 

28. Juli: Ein Ausfall

Tja, und meistens kommt es anders als man denkt:

 

Da geht es jetzt mit Riesenschritten auf unseren Urlaub zu, da meint Daniel, dass er leider nicht mitfahren kann. Eine Frau hat ihm die den Kopf so sehr verdreht, dass er f├╝r sie einen T├Ârn mit uns sausen l├Ąsst. Wir versuchen bei Gelegenheit ein Foto von ihr zu ergattern, dann k├Ânnt ihr selbst bewerten, ob sich der Tausch f├╝r ihn gelohnt hat oder nicht ;-)))

 

24. August: Lampenfieber?

Heute ist der 24. August und nun sind es nur noch 2 Tage, bis es endlich losgeht.

 

Nat├╝rlich laufen nun bei uns allen die letzten Vorbereitungen: Einkaufen, Klamotten packen und Auto beladen, das alles ist wichtig und will rechtzeitig erledigt sein. Naja, irgendwas vergisst man ja bei Urlaubsreisen immer und das wird vermutlich auch diesmal der Fall sein...

 

Und nat├╝rlich gibt es den ein oder anderen Geek, der Vorbereitungen ganz anderer Art trifft:

 

Jan und Jokey sind der Meinung, dass wir, wenn wir schon mit dem Auto unterwegs sind, auch gleich einen "Mobile Hotspot" einrichten k├Ânnen. Vielleicht gibt es ja auch der Autobahn genauso verr├╝ckte, die ihren Laptop laufen haben und sich dann bei uns einloggen wollen... Naja, bei Tempo 100 k├Ânnte das knapp werden, aber wenn wir diesen Hotspot dann sp├Ąter in Holland vom Boot aus betreiben, dann k├Ânnte das vielleicht sogar was werden.

 

28.08. - Endlich geht es los

Am 28. August war es endlich soweit: Nach monatelanger Vorbereitung und Planung der „Extreme War-Motorboating-Tour“ in Holland sollte es f├╝r uns endlich losgehen: Wir, das waren Uschi, Frank, Matthias, Jan, Markus (Jokey) und Mike. P├╝nktlich um 7 Uhr standen wir bei Jan und Matthias vor der Haust├╝r, um uns auf den Weg nach Holland zu machen. Je eher wir losk├Ąmen, desto eher k├Ânnten wir „unser Schiff“ ├╝bernehmen und die eigentliche Tour starten. Dummerweise meinte Frank, ausgerechnet an diesem Tag verschlafen zu m├╝ssen, was f├╝r uns hiess, da├č wir uns dann tats├Ąchlich erst gegen 8:30 Uhr auf den Weg machen konnten. W├Ąhrend der Fahrt zum ersten, geplanten Stop am Autohof Sittensen an der A1 dachten wir uns gemeinsam bereits drakonische Strafen f├╝r Frank aus. ├ťbrig geblieben von einigen wirklich harten und kranken Ideen war dann die Festlegung, da├č Frank in Holland die erste Flasche echten, holl├Ąndischen Genever f├╝r die Crew zu besorgen h├Ątte.

Heimathafen Langelille

Um 15:30 Uhr konnten wir dann endlich unser Schiff, die „Alopia“, ├╝bernehmen und nachdem unsere Sachen und vor allem unsere Verpflegung inklusive literweise deutschem Bier an Bord verstaut worden war, liessen wir um 16 Uhr endlich die Maschine an. Ein sattes Brummen des gewaltigen Diesels ging durchs Schiff und es h├Ârte sich an, als k├Ânnte man mit dieser schnittigen Yacht richtig Gas geben. Dummer- oder vielleicht auch gl├╝cklicherweise sind die Motoren der Charteryachten in Holland allesamt kr├Ąftig gedrosselt, so da├č man ├╝ber eine maximale Geschwindigkeit von 10 – 12 km/h nicht hinauskommt.

 

Die geplante Route f├╝r den ersten Tag war nicht allzu lang: Nach Passage der ersten H├╝rde, einer Klappbr├╝cke in Echternerbrug, ging es hinaus auf's „Tjeukemeer“, wo erst einmal Fahr├╝bungen f├╝r die Neulinge in Sachen Motorbootfahren durchgef├╝hrt werden sollten. An der Br├╝cke wurde dann auch gleich erlebt, wie die Holl├Ąnder diesen Service des Br├╝cken├Âffnens finanzieren: Der Br├╝ckenw├Ąrter „bedrohte“ die Besatzung mit einem an einer Angel h├Ąngenden Holzschuh und verlangte f├╝r diesen Service 1,40 Euro. Dieses Br├╝ckengeld wird an fast allen Br├╝cken und Schleusen von den Besatzungen der Boote verlangt und wer diesen Schuh „verpasst“, der hat sp├Ątestens an der n├Ąchsten Br├╝cke das Problem, da├č sie f├╝r ihn nicht ge├Âffnet wird, bevor nicht alle Schulden beglichen sind.

 

Bei den folgenden Fahr├╝bungen musste jedes Besatzungsmitglied erst einmal nachweisen, da├č es in der Lage ist, mit der Yacht anzulegen, ohne das Boot oder den Anleger zu zerst├Âren. Das klappte erstaunlicherweise bei allen auf Anhieb und somit hatte sich die Besatzung das folgende Grillen auch redlich verdient. F├╝r das Grillen hatten wir uns eine Insel im Tjeukemeer ausgesucht: Dort sind mehrere Anleger f├╝r derartige ├ťbernachtungen vorbereitet und Jan und Frank k├╝mmerten sich erst einmal darum, da├č der Grill die notwendige Hitze entwickelte, um unser mitgebrachtes Fleisch zu grillen. Beim Grillen wurde dann auch die erste unserer Flens-Dosen geleert, wobei Matthias nat├╝rlich in gewohnter Weise bei seiner Cola blieb.

Der 2. Tag

Am n├Ąchsten Morgen konnten wir gemeinsam feststellen, da├č Frank quasi ├╝ber Nacht das „Bergtrikot“ der Tour de France gewonnen hatte. Zumindest hatten die ca. 30 M├╝ckenstiche, umrandet von deutlich erkennbaren roten Flecken auf seiner Haut eine sehr grosse ├ähnlichkeit mit diesem Spezialtrikot (weiss mit dicken roten Punkten). Scheinbar hatten sich alle M├╝cken an Bord abgesprochen, sich in dieser Nacht ausschliesslich an Frank „zu laben“, denn der Rest der Besatzung hatte keine derartigen Probleme. Jedoch stand f├╝r alle fest, da├č nicht noch einmal im Windschatten einer Insel mit Wiesen und B├╝schen ├╝bernachtet werden sollte, schliesslich wollten wir Frank als Besatzungsmitglied nicht verlieren.

 

Nach einem ausgiebigen Fr├╝hst├╝ck sollte die Reise an diesem Tag dann nach Grouw gehen, einem kleinen Ort direkt am „Prinzess-Margriet-Kanal“. Den von uns eigentlich geplanten Weg durch eine Eisenbahnbr├╝cke und ├╝ber eine Autobahn hinweg konnten wir nicht nehmen, da die Br├╝cke an diesem Tag f├╝r Wartungsarbeiten gesperrt war. Also liefen wir ├╝ber das Sneeker Meer direkt Richtung Grouw, nicht ohne jedoch zuvor noch eine echte Sehensw├╝rdigkeit mitzunehmen, die in Deutschland unvorstellbar w├Ąre:

 

Wir „zockelten“ mit der Alopia auf eine Br├╝cke der Autobahn A7 zwischen Groningen und Amsterdam zu. Da wir bedingt durch unsere Schiffsh├Âhe von 4,40 Meter nicht einfach unter der Br├╝cke „Scharsterbrug“ durchfahren konnten, kam der Br├╝ckenw├Ąchter seinem Job nach und hielt allen Ernstes die Autobahn an! Rote Ampeln und heruntergeklappte Schranken auf einer Autobahn sind etwas, was in Deutschland vermutlich f├╝r eine Revolution sorgen w├╝rde, in Holland ist das v├Âllig normal und daher passierten wir die Br├╝cke dann auch ohne da├č unser Schiff von wildgewordenen Autofahrern angegriffen wurde.

Als wir dann w├Ąhrend der ├ťberfahrt auf dem „Sneeker Meer“ (ja, jeder kleinere See hat hier tats├Ąchlich den Beinamen „Meer“) von einer kr├Ąftigen Gewitterfront ├╝berrascht wurden, versuchten wir l├Ąngsseits einer anderen Yacht „im P├Ąckchen“ liegend diese abzuwettern. Das h├Ątten wir besser draussen auf See erledigt, denn nicht nur wir wollten uns vor dem Gewitter „verstecken“, nein, auch Frank's Kumpels, die M├╝cken, hatten dieselbe Idee: Dummerweise hatten sie sich unsere „Alopia“ als Schutzgebiet ausgesucht und in Rekordzeit war die Br├╝cke der Alopia von M├╝cken und sonstigen „Fliegeviechern“ quasi schwarz eingef├Ąrbt. Ganz klar, da├č Frank m├Ąchtig begeistert war.

 

Naja, diese Front zog aber dann doch deutlich schneller ab als von uns bef├╝rchtet und so konnten wir nach knapp 30 Minuten erstens das Deck von den Viechern reinigen und uns zweitens wieder auf den Weg machen. Aber auch diese kurze Liegezeit wurde – wie eigentlich die ganze Fahrt – von Jokey und Matthias dazu genutzt, mal nachzusehen, was denn so an WLANs aktiv ist. Und siehe da: Selbst hier, mitten im Nirgendwo, da fanden sich mit Kismet reichlich WLANs, sowohl offene als auch verschl├╝sselte. An dieser Stelle brachten sie uns aber nicht wirklich was, schliesslich wollten wir an diesem Tag ja noch weiterfahren, was wir dann auch machten.

 

Um kurz vor 15 Uhr erreichten wir Grouw, das ist ein nettes, kleines St├Ądtchen direkt am „Prinzess-Margriet-Kanal“. In Frank's Interesse suchten wir uns einen Liegeplatz, der m├Âglichst weit weg vom Ufer und von irgendwelchen Uferbepflanzungen lag. Dummerweise lag der dann aber so abgelegen, da├č wir ausgerechnet hier kein WLAN fanden, nachdem wir eigentlich den ganzen Tag ├╝ber immer irgendein offenes Netz in Reichweite hatten. Also mussten wir den Abend ohne Internet verbringen. Das viel uns aber nicht weiter schwer, denn erstmal mussten wir die Unmengen Knoblauch verdauen, mit denen unsere Pizzen angereichert waren. Welche D├╝fte da durch's Boot zogen, vor allem am n├Ąchsten Morgen, dann kann, m├Âchte sich aber sicher nicht jeder vorstellen...

Am n├Ąchsten Tag hatten wir eine relativ kurze Strecke geplant, von Grouw aus wollten wir nur nach Sneek; eigentlich eine Entfernung von vielleicht nur knapp 10 bis 12 Kilometer. Mit dem Auto ein Katzensprung, mit dem Boot aber deutlich mehr. Ausserdem hatten wir einen kleinen Umweg eingeplant, denn heute wollten wir endlich „├╝ber die Autobahn“ und „durch die Eisenbahnstrecke“ fahren. Das hatte am Vortag ja wegen einer Sperrung der Br├╝cken aufgrund von Bauarbeiten nicht geklappt.

 

Es ist irgendwie ein merkw├╝rdiges Gef├╝hl, wenn man dann tats├Ąchlich die Autobahn mit dem Boot ├╝berquert oder mitten durch Eisenbahnschienen hindurchf├Ąhrt. Jedenfalls kamen wir trotz dieses kleinen Umwegs und des teilweise miserablen Wetters an diesem Tag gut bis nach Sneek, wo wir dann bei sch├Ânstem Sommerwetter in der N├Ąhe einer Miniaturausgabe des Holstentors aus L├╝beck festmachten und erst einmal wieder die „Stadt“ erkundigten. Da auch unsere M├Ągen meinten, da├č wir so langsam mal etwas feste Nahrung zu uns nehmen k├Ânnten, „naschten“ wir erstmal ein paar „K├Ąse Souffl├ę“ - die Teile waren echt lecker. Abends gab es dann Spaghetti ├í la Mike, d. h. mit Hack, reichlich Knobi und „etwas“ pikant. Zum Gl├╝ck hatten wir genug Flens mit, um die aufkommenden Halsbr├Ąnde schnell zu l├Âschen und wer dann noch Probleme hatte, dem wurde mit echtem, 40%-igem „Oude Genever“ weitergeholfen.

 

Am n├Ąchsten Morgen – jeder aus der Crew hatte das Essen und die Nacht ├╝berlebt – machten wir uns gegen 11 Uhr auf den Weg nach Makkum. Nat├╝rlich lief auf mehreren Rechnern Kismet und auch Matthias' Linksys kam zum Einsatz. Der wurde kurzerhand auf der Br├╝cke der „Alopia“ platziert und scannte von dort aus scheinbar ganz Friesland. Es ist Wahnsinn, wenn man mitbekommt, wie stark verbreitet WLAN in Holland bereits ist. Die Anzahl der Netze kennt man aus Deutschland vielleicht aus wirklichen Gro├čst├Ądten, in Flensburg w├Ąren das schier unvorstellbare Zahlen. Naja, allerdings herrschen in Flensburg zugegebenerma├čen auch etwas andere Ausbreitungsbedingungen als in dem wirklich flachen Holland.

 

Zur├╝ck zu Makkum, da├č wir gegen 16 Uhr erreichten: Makkum ist ein kleines Dorf mit einem der gr├Âssten Yachth├Ąfen am Ijsselmeer. Interessanterweise liegen dort allerdings wenige holl├Ąndische, daf├╝r vorwiegend deutsche Yachten. Friesland und speziell das Ijsselmeer sind offensichtlich Naherholungsgebiet f├╝r den gesamtem Ruhrpott. Da im gut gesch├╝tzten Innenhafen kein vern├╝nftiger Liegeplatz mehr zu bekommen war, erlebten einige von uns ihr erstes richtiges Schleusenman├Âver: Durch die alte, bereits im 16. Jahrhundert gebaute Seeschleuse ging es raus auf's Ijsselmeer und von dort zu neu angelegten Liegepl├Ątzen, an denen wir die „Alopia“ dann auch mit Wasser und Strom versorgen konnten. Vor allem die Stromversorgung konnte unserem von einigen Laptops „ausgelutschtem“ Bordnetz nur gut tun und wir „opferten“ gerne den 1,- Euro Geb├╝hr, um alle Batterien mal wieder richtig aufzuladen.

 

An was werden wir uns noch erinnern, wenn wir an Makkum denken? Nun, zum einen war da der Sturm: Es blies richtig kr├Ąftig aus Nordwest mit lockeren 5-6 Windst├Ąrken. Zum Gl├╝ck hatten wir durch eine gro├če Werfthalle etwas Windschatten und hatten dadurch Ruhe an Bord und wenig „Schaukelei“. Dann war da noch „der Alte“, der meinte, genau so locker wie wir anlegen zu k├Ânnen und dem dabei dann einer seiner Fender ├╝ber Bord ging. Die Show, wie er den dann wieder einfing und wie seine Frau ihm dabei reichlich Ratschl├Ąge gab und sie ihm hinterher nach erfolgreicher „Jagd“ applaudierte, die h├Ąttet ihr sehen soll – ein Genu├č f├╝r alle, die dabei zusehen durften.

 

Nicht vergessen darf man nat├╝rlich wieder einmal die „F├╝tterung der Raubtiere“: Die Fischesser unter uns, also eigentlich alle ausser Mike, die hatten sich mit ger├Ąuchertem Aal versorgt und der wurde, in der Sonne auf der Br├╝cke der „Alopia“ sitzend, gen├╝sslich verzehrt.

K├ÂPi - frisch gezapft

Man k├Ânnte meinen, auf solch einer Tour w├╝rde es irgendwann langweilig, weil sich die Tage doch alle sehr ├Ąhneln, aber irgendwie passieren immer wieder Geschichten, die jeden Tag einer Fahrt einmalig machten. Nehmen wir doch direkt den n├Ąchsten Tag als Beispiel daf├╝r:

 

Wir wollten an diesem Tag - immerhin schon der 4. unserer Tour – nur von Makkum nach Heek fahren. Also ging es erstmal durch die Seeschleuse wieder zur├╝ck ins Binnenland und dann ├╝ber die Grachten weiter Richtung Workum. Kurz vor diesem Ort, der ebenfalls direkt am Ijsselmeer liegt, gab es noch eine Br├╝cke, die wir vor der Mittagspause, die f├╝r alle Br├╝cken und Schleusen in Holland einheitlich von 12 bis 13 Uhr gilt, leider nicht mehr passieren konnten.

 

Da der einzige „echte“ Anlegeplatz vor der Br├╝cke bereits vollst├Ąndig belegt war, mussten wir ein „Notman├Âver“ ausf├╝hren und mit der „Alopia“ „zelten“ gehen. Frank sprang an Land und war dann erst eimal kr├Ąftig damit besch├Ąftigt, Heringe in den Boden zu schlagen, an denen wir dann unsere Festmacherleinen befestigen konnten. Aber das allein w├Ąre ja noch nicht so erz├Ąhlenswert gewesen. Das genialste Erlebnis in diesem Moment war eigentlich, da├č die Besatzung einer anderen Yacht, etwas gr├Â├čer und breiter als unsere, fragte, ob sie bei uns ins P├Ąckchen, also l├Ąngsseits gehen k├Ânnte. Dem stimmten wir nat├╝rlich sofort zu und als kleines „Danke sch├Ân“ wurden wir dann gefragt, ob wir etwas gegen ein frisch gezapftes K├ÂPi einzuwenden h├Ątten?!

 

Das war echt der Hammer! Die Crew der Yacht, ein Kegelclub aus Oberhausen, die hatten auf der Br├╝cke direkt nebem dem Steuer tats├Ąchlich eine komplette Zapfanlage installiert und nat├╝rlich nahmen wir das Angebot dankend an. Das war echt eine coole Nummer und wir mussten feststellen: So ein frisch gezapftes Bier, das schmeckt doch deutlich besser, als unser Dosenbier. Naja, vielleicht beim n├Ąchsten Mal ;)

 

Irgendwann war es dann aber auch 13 Uhr, wir verabschiedeten uns von diesen netten Nachbarn und machen uns weiter auf den Weg nach Heek. Hier machten wir an einem Liegeplatz fest, der zwar eine offizielle WLAN-Versorgung hatte (17,50 €/Tag), daf├╝r aber keine Toiletten und Duschen. Man kann halt nicht alles haben: Toiletten hatten wir ja an Bord und duschen musste eben auf den n├Ąchsten Tag und Hafen verschoben werden. Der Tunnel, durch den wir von diesem Liegeplatz aus dann die Stadt erreichen konnten, der war ├╝brigens dicht bev├Âlkert von Spinnen, ihr wisst schon, diese achtbeinigen Viecher, die die besten Kumpels von Frank sind, weil sie auch M├╝cken futtern. Wie was das noch: „Die Feinde meiner Feinde sind meine Freunde“ ;)

Lemmer

Am n├Ąchsten Morgen – die Internet-Verbindung hatte immer noch Bestand – machten wir uns nach dem Fr├╝hst├╝ck auf den Weg Richtung Lemmer, was wir nach einem kleinen Umweg ├╝ber Sloten, wo jedes Crewmitglied an den aus dem Mittelalter stammenden und noch heute dort stehenden Pranger gestellt wurde. Leider war genau zu diesem Zeitpunkt das Wetter derma├čen schlecht, da├č wir die obligatorischen Fotos wirklich nur auf die Schnelle gemacht haben und dann schnell wieder an Bord fl├╝chteten.

 

Lemmer ist ein Ort, der bei jedem Urlaub in Friesland einfach auf dem Programm stehen muss: Die Liegepl├Ątze sind tats├Ąchlich mitten in der „Altstadt“, die H├Ąuser sind klein wie Puppenh├Ąuser und die Schleusenanlage, die auch schon aus dem 16. Jahrhundert ist, sieht nicht nur toll aus, sondern funktioniert auch heute noch perfekt.

 

Und Lemmer hat eine weitere Attraktion zu bieten: Knapp 5 Meter von unserem Liegeplatz entfernt befand sich die Pizzeria La Gondola (http://www.pizzerialagondola.nl/). Genau dort beschlossen wir uns an diesem Abend zu verpflegen und das war eine der besten Entscheidungen, die wir jemals getroffen haben:

 

Fangen wir mit der Speisekarte an: Da standen schon mal weit ├╝ber 100 verschiedene Pizzen drin! Ich glaube, alles, was jemals von einem Kunden als Sonderwunsch ge├Ąussert wurde, hat auch gleich seinen Weg in diese Karte gefunden! Wirklich der helle Wahnsinn! Noch gr├Âsser wurden unsere Augen allerdings, als die bestellten Pizzen dann geliefert wurden:

 

Gro├č wie Wagenr├Ąder, mit knusprigem, d├╝nnen Teig und perfekt belegt! Um euch zu erkl├Ąren, WIE gross die tats├Ąchlich waren, sage ich nur eins: Matthias wurden von seiner Pizza nicht nur satt, sondern er liess sogar ein (kleines) St├╝ckchen ├╝brig! Ich glaube, das sagt alles, oder?

 

Eines war allerdings in diesem Jahr ├Ąrgerlich in Lemmer: Nach dem Auslaufen am n├Ąchsten Tag mussten wir leider feststellen, da├č uns wohl w├Ąhrend der Nacht einer unserer Fender von Brod gestohlen worden war. Nicht das wir den dringend gebraucht h├Ątten, aber wir mussten ihn halt ersetzen und die 42 Euro hierf├╝r h├Ątten wir uns lieber erspart. Naja, das liess sich leider nicht ├Ąndern und so machten wir uns also am n├Ąchsten Mittag, nachdem in Lemmer noch Souvenirs und „Oude Genever“ eingekauft worden waren, auf den Weg Richtung Heimathafen.

Letzter Tag

Bevor wir jedoch die letzte Br├╝cke passierten, schalteten wir mitten auf dem Tjeukemeer, also da, wo unsere Rundreise um Friesland herum begann, die Maschine aus: Dies war die letzte Gelegenheit, vielleicht doch noch zu Baden w├Ąhrend dieses Urlaubs. Aber die einzigen, die „hart genug“ waren, um tats├Ąchlich ins nicht gerade warme Wasser zu h├╝pfen, das waren Mike und Jan. Matthias und Jokey hielten nur mal ihren Fuss rein und Uschi und Frank dachten lieber gar nicht erst dar├╝ber nach...

 

Naja, nach diesem kurzen Badestop ging es dann tats├Ąchlich weiter Richtung Heimathafen. Wir h├Ątten zwar erst am n├Ąchsten Morgen dort einlaufen und die Alopia abgeben m├╝ssen, aber so konnten wir abends schon etwas aufr├Ąumen und das Essen f├╝r diesen Abend hatten wir uns in Lemmer bereits besorgt. Ausserdem ersparten wir Frank dadurch einen weiteren Abend in „M├╝ckenhausen“, denn der einzige Liegeplatz, von dem aus wir morgens unseren Ausgangshafen rechtzeitig erreicht h├Ątten, w├Ąre wieder die M├╝ckeninsel der ersten Nacht gewesen und auf die hatte speziell Frank aus verst├Ąndlichen Gr├╝nden keinen Bock mehr.

Am Samstagmorgen g├Ânnten wir uns dann noch den von unserem Charterunternehmen angeboteten guten und reichhaltigen Brunch und dann machten wir uns auf den Weg gen Heimat. Es war wie immer, wenn man Urlaub hat: Kaum hat er richtig begonnen, da ist er auch leider schon wieder zuende.

 

Unter dem Strich k├Ânnen wir nur feststellen: Es hat allen eine Menge Spa├č gemacht und besser und interessanter, als faul an irgendeinem Strand rumzuliegen war es auf jeden Fall!

 

Wer bei dieser Story, die zugegebenerma├čen nicht zwingend ein Projekt der LUG Flensburg, aber immerhin doch das einiger Mitglieder von uns war, bis hierhin durchgehalten hat, der ist vielleicht auch an den technischen Daten zu der von uns gecharterten Yacht „Alopia“ interessiert:

Heimathafen Langelille (NL)
Charterer De Driesprong
L├Ąnge 12,70 m
Breite 3,80 m
Tiefgang 1,20 m
Durchfahrtsh├Âhe 4,40 m
Motor 120 PS IVECO Diesel (gedrosselt)
Verbrauch Motor 8 Liter/Std.
Verbrauch w├Ąhrend der Tour 92 Liter
Heizung Epersp├Ącher Warmluftheizung
Verbrauch Heizung 2 Liter/Stunde
Inhalt Dieseltank 400 Liter
Inhalt Wassertank 1000 Liter
Strom max. 280 Ampere
Steuerhilfen Bug- u. Heckstrahl