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Planungen

 

Nach einigem "Brainstorming" bei FMLT oder LEA war es am 12. November es dann endlich soweit: Nein, nicht unsere Abfahrt! Ihr erinnert euch? Es geht immer noch um den SOMMER-Urlaub...

 

Wir trafen uns zum ersten Crew-Meeting! Crew-Meeting deshalb, weil wir ja beschlossen hatten, uns eine Motoryacht zu chartern und damit kreuz und quer durch Friesland zu shippern...

 

Die erste Frage, die sich uns stellte: WANN wollen wir fahren?

 

Ok, die hatten wir nach einem Blick in den Kalender (und auf die Preisliste) schnell geklärt: Ende August/Anfang September 2006 werden wir also Holland überfallen und denen den Käse klauen...

 

Dieser Zeitraum fällt glücklicherweise nicht mehr in die Hauptsaison und dadurch wird die Sache nicht ganz so teuer. Ausserdem hoffen wir einfach mal, dass das Wetter dann etwas mitspielt und wir nicht die ganze Zeit in Regenklamotten rumlaufen müssen.

 

Zur gezielten Vorbereitung auf diesen Auslandsaufenthalt stand irgendwann plötzlich eine Flasche Genever auf dem Tisch und jedes Crewmitglied "durfte" mal von diesem holländischen Nationalgetränk kosten.

 

Vermutlich schmeckt dieser Genever deshalb so gut, weil die Holländer sich darauf spezialisiert haben. Dummerweise haben sie es unterlassen, sich in Sachen Bier brauen weiterzubilden. Da wir uns aber nicht mit Heineken und Co. vergiften lassen möchten, wurde sofort festgelegt, daß wir uns für lange Abende an Bord mit ausreichend Flens eindecken werden.

 


Der Charterer



Ausgangspunkt für unsere Tour: Langelille

Da Mike und Uschi schon entsprechende Erfahrungen sammeln konnten, haben wir uns für ein bereits erprobtes Charterunternehmen entschieden.

 

De Driesprong Yachtcharters hat seinen Sitz in Langelille, dass liegt nicht weit von Lemmer in unmittelbarer Nähe zur süd-östlichen Ecke des Ijsselmeeres und ist ein richtig guter Ausgangsort für unsere Tour durch West-Friesland.


Alopia



"Unser" Schiff, die Alopia

 

Als nächstes ging es daran, die richtige Yacht für uns auszuwählen. Die Wahl fiel auf die "Alopia", ganz einfach deshalb, weil Mike und Uschi sie schon kennen, weil die Yacht komfortabel ausgestattet ist und weil sie uns allen ausreichend Platz bietet.

 

Ganz nebenbei sieht sie auch noch gut aus. Vor allem aber ist auf der "Alopia" ein Konverter installiert, der uns bzw. unsere Laptops rund um die Uhr mit 230V versorgen kann, ein unschätzbarer Vorteil, wenn man von einem Boot aus die holländischen WLANs erkunden möchte...

 

Die Dieselmaschine unserer Yacht "Alopia" hat 120 PS, das hört sich vielleicht gewaltig an, da aber auf den holländischen Grachten, auf denen wir uns vorrangig rumtreiben werden, fast überall eine Geschwindigkeitsbegrenzung gilt (die auch kontrolliert wird!), sind die Motoren der Charteryachten eigentlich alle gedrosselt. So ist das natürlich auch bei der Alopia. Die Höchstgeschwindigkeit der Alopia liegt bei ungefähr 10 km/h, was aber völlig ausreichend ist: wir wollen ja Urlaub machen und keine Rennen bestreiten...


Führerschein?

 

Wir alle kennen es aus Deutschland: Wenn es irgendwo etwas zu regeln gibt, dann wird das auch geregelt und wenn man irgendwo amtlicherseits etwas bestätigen kann, dann wird das auch so gemacht. Daher würde man für unser Vorhaben in Deutschland zwingend einen Sportbootführerschein benötigen.

 

In Holland sieht das etwas anders aus: Wir alle wissen, dass der gewöhnliche Holländer ständig mit seinem Wohnwagen hinter dem Auto durch die Gegend fährt, mit Vorliebe natürlich auf deutschen Autobahnen.

 

In seiner Heimat jedoch nimmt der Holländer kein Auto:

 

In Friesland - und genau dort wollen wir hin - haben die Häuser häufiger einen Bootsanleger als eine Garage oder einen Parkplatz. Da Friesland tatsächlich reichlich von Kanälen und Grachten durchzogen ist, macht solch ein Liegeplatz sicherlich auch viel mehr Sinn, da man eigentlich jeden Ort bequem mit dem Boot erreichen kann.

 

Aus diesen Zwängen und auch aus Tradition heraus benötigt man in Holland keinen Führerschein, wenn man sich mit dem Boot auf die Reise macht. (Naja, ab einer gewissen Grösse schon, aber da zählt die Alopia noch nicht zu).

 


Die Crew erhält Zuwachs

 

Nun, wo die Planungen schon in vollem Gange sind, bekommt die ursprüngliche Crew ein Problem:

 

Matthias (ihr kennt ihn alle: das kleine Fressmonster auf Flensburg) hat uns angedroht, ebenfalls mitzufahren.

 

DAS wirft natürlich sämtliche Planungen über den Haufen, vor allem diejenigen, die sich mit der Verpflegung und den einzukaufenden Mengen beschäftigen.

 

Und nicht nur das: "Erschwerend" kommt im wahrsten Sinne des Wortes dazu, dass wir oder besser die Alopia, durch die für ihn benötigte Zusatzverpflegung natürlich deutlich mehr Tiefgang bekommt und das müssen wir unbedingt bei der Routenplanung berücksichtigen, sonst sitzen wir vermutlich irgendwann auf Schlick.

 

Es gibt aber sicherlich nichts Demütigenderes und Peinlicheres, als sich ausgerechnet in Holland mit dem Boot festzufahren und von einem Holländer wieder befreien lassen zu müssen...

 

"All ships, all ships, this is Alopia. We're sitting on shit; please make us free..."

 

...ist mit Sicherheit das Letzte, was wir hören wollen. Also lieber gleich richtig planen und solche Stockfehler vermeiden ;)

 


28. Juli: Ein Ausfall

Tja, und meistens kommt es anders als man denkt:

 

Da geht es jetzt mit Riesenschritten auf unseren Urlaub zu, da meint Daniel, dass er leider nicht mitfahren kann. Eine Frau hat ihm die den Kopf so sehr verdreht, dass er für sie einen Törn mit uns sausen lässt. Wir versuchen bei Gelegenheit ein Foto von ihr zu ergattern, dann könnt ihr selbst bewerten, ob sich der Tausch für ihn gelohnt hat oder nicht ;-)))

 


24. August: Lampenfieber?

Heute ist der 24. August und nun sind es nur noch 2 Tage, bis es endlich losgeht.

 

Natürlich laufen nun bei uns allen die letzten Vorbereitungen: Einkaufen, Klamotten packen und Auto beladen, das alles ist wichtig und will rechtzeitig erledigt sein. Naja, irgendwas vergisst man ja bei Urlaubsreisen immer und das wird vermutlich auch diesmal der Fall sein...

 

Und natürlich gibt es den ein oder anderen Geek, der Vorbereitungen ganz anderer Art trifft:

 

Jan und Jokey sind der Meinung, dass wir, wenn wir schon mit dem Auto unterwegs sind, auch gleich einen "Mobile Hotspot" einrichten können. Vielleicht gibt es ja auch der Autobahn genauso verrückte, die ihren Laptop laufen haben und sich dann bei uns einloggen wollen... Naja, bei Tempo 100 könnte das knapp werden, aber wenn wir diesen Hotspot dann später in Holland vom Boot aus betreiben, dann könnte das vielleicht sogar was werden.

 


28.08. - Endlich geht es los

Am 28. August war es endlich soweit: Nach monatelanger Vorbereitung und Planung der „Extreme War-Motorboating-Tour“ in Holland sollte es für uns endlich losgehen: Wir, das waren Uschi, Frank, Matthias, Jan, Markus (Jokey) und Mike. Pünktlich um 7 Uhr standen wir bei Jan und Matthias vor der Haustür, um uns auf den Weg nach Holland zu machen. Je eher wir loskämen, desto eher könnten wir „unser Schiff“ übernehmen und die eigentliche Tour starten. Dummerweise meinte Frank, ausgerechnet an diesem Tag verschlafen zu müssen, was für uns hiess, daß wir uns dann tatsächlich erst gegen 8:30 Uhr auf den Weg machen konnten. Während der Fahrt zum ersten, geplanten Stop am Autohof Sittensen an der A1 dachten wir uns gemeinsam bereits drakonische Strafen für Frank aus. Übrig geblieben von einigen wirklich harten und kranken Ideen war dann die Festlegung, daß Frank in Holland die erste Flasche echten, holländischen Genever für die Crew zu besorgen hätte.




Heimathafen Langelille

Um 15:30 Uhr konnten wir dann endlich unser Schiff, die „Alopia“, übernehmen und nachdem unsere Sachen und vor allem unsere Verpflegung inklusive literweise deutschem Bier an Bord verstaut worden war, liessen wir um 16 Uhr endlich die Maschine an. Ein sattes Brummen des gewaltigen Diesels ging durchs Schiff und es hörte sich an, als könnte man mit dieser schnittigen Yacht richtig Gas geben. Dummer- oder vielleicht auch glücklicherweise sind die Motoren der Charteryachten in Holland allesamt kräftig gedrosselt, so daß man über eine maximale Geschwindigkeit von 10 – 12 km/h nicht hinauskommt.

 

Die geplante Route für den ersten Tag war nicht allzu lang: Nach Passage der ersten Hürde, einer Klappbrücke in Echternerbrug, ging es hinaus auf's „Tjeukemeer“, wo erst einmal Fahrübungen für die Neulinge in Sachen Motorbootfahren durchgeführt werden sollten. An der Brücke wurde dann auch gleich erlebt, wie die Holländer diesen Service des Brückenöffnens finanzieren: Der Brückenwärter „bedrohte“ die Besatzung mit einem an einer Angel hängenden Holzschuh und verlangte für diesen Service 1,40 Euro. Dieses Brückengeld wird an fast allen Brücken und Schleusen von den Besatzungen der Boote verlangt und wer diesen Schuh „verpasst“, der hat spätestens an der nächsten Brücke das Problem, daß sie für ihn nicht geöffnet wird, bevor nicht alle Schulden beglichen sind.

 

Bei den folgenden Fahrübungen musste jedes Besatzungsmitglied erst einmal nachweisen, daß es in der Lage ist, mit der Yacht anzulegen, ohne das Boot oder den Anleger zu zerstören. Das klappte erstaunlicherweise bei allen auf Anhieb und somit hatte sich die Besatzung das folgende Grillen auch redlich verdient. Für das Grillen hatten wir uns eine Insel im Tjeukemeer ausgesucht: Dort sind mehrere Anleger für derartige Übernachtungen vorbereitet und Jan und Frank kümmerten sich erst einmal darum, daß der Grill die notwendige Hitze entwickelte, um unser mitgebrachtes Fleisch zu grillen. Beim Grillen wurde dann auch die erste unserer Flens-Dosen geleert, wobei Matthias natürlich in gewohnter Weise bei seiner Cola blieb.


Der 2. Tag

Am nächsten Morgen konnten wir gemeinsam feststellen, daß Frank quasi über Nacht das „Bergtrikot“ der Tour de France gewonnen hatte. Zumindest hatten die ca. 30 Mückenstiche, umrandet von deutlich erkennbaren roten Flecken auf seiner Haut eine sehr grosse Ähnlichkeit mit diesem Spezialtrikot (weiss mit dicken roten Punkten). Scheinbar hatten sich alle Mücken an Bord abgesprochen, sich in dieser Nacht ausschliesslich an Frank „zu laben“, denn der Rest der Besatzung hatte keine derartigen Probleme. Jedoch stand für alle fest, daß nicht noch einmal im Windschatten einer Insel mit Wiesen und Büschen übernachtet werden sollte, schliesslich wollten wir Frank als Besatzungsmitglied nicht verlieren.

 

Nach einem ausgiebigen Frühstück sollte die Reise an diesem Tag dann nach Grouw gehen, einem kleinen Ort direkt am „Prinzess-Margriet-Kanal“. Den von uns eigentlich geplanten Weg durch eine Eisenbahnbrücke und über eine Autobahn hinweg konnten wir nicht nehmen, da die Brücke an diesem Tag für Wartungsarbeiten gesperrt war. Also liefen wir über das Sneeker Meer direkt Richtung Grouw, nicht ohne jedoch zuvor noch eine echte Sehenswürdigkeit mitzunehmen, die in Deutschland unvorstellbar wäre:

 

Wir „zockelten“ mit der Alopia auf eine Brücke der Autobahn A7 zwischen Groningen und Amsterdam zu. Da wir bedingt durch unsere Schiffshöhe von 4,40 Meter nicht einfach unter der Brücke „Scharsterbrug“ durchfahren konnten, kam der Brückenwächter seinem Job nach und hielt allen Ernstes die Autobahn an! Rote Ampeln und heruntergeklappte Schranken auf einer Autobahn sind etwas, was in Deutschland vermutlich für eine Revolution sorgen würde, in Holland ist das völlig normal und daher passierten wir die Brücke dann auch ohne daß unser Schiff von wildgewordenen Autofahrern angegriffen wurde.


Als wir dann während der Überfahrt auf dem „Sneeker Meer“ (ja, jeder kleinere See hat hier tatsächlich den Beinamen „Meer“) von einer kräftigen Gewitterfront überrascht wurden, versuchten wir längsseits einer anderen Yacht „im Päckchen“ liegend diese abzuwettern. Das hätten wir besser draussen auf See erledigt, denn nicht nur wir wollten uns vor dem Gewitter „verstecken“, nein, auch Frank's Kumpels, die Mücken, hatten dieselbe Idee: Dummerweise hatten sie sich unsere „Alopia“ als Schutzgebiet ausgesucht und in Rekordzeit war die Brücke der Alopia von Mücken und sonstigen „Fliegeviechern“ quasi schwarz eingefärbt. Ganz klar, daß Frank mächtig begeistert war.

 

Naja, diese Front zog aber dann doch deutlich schneller ab als von uns befürchtet und so konnten wir nach knapp 30 Minuten erstens das Deck von den Viechern reinigen und uns zweitens wieder auf den Weg machen. Aber auch diese kurze Liegezeit wurde – wie eigentlich die ganze Fahrt – von Jokey und Matthias dazu genutzt, mal nachzusehen, was denn so an WLANs aktiv ist. Und siehe da: Selbst hier, mitten im Nirgendwo, da fanden sich mit Kismet reichlich WLANs, sowohl offene als auch verschlüsselte. An dieser Stelle brachten sie uns aber nicht wirklich was, schliesslich wollten wir an diesem Tag ja noch weiterfahren, was wir dann auch machten.

 

Um kurz vor 15 Uhr erreichten wir Grouw, das ist ein nettes, kleines Städtchen direkt am „Prinzess-Margriet-Kanal“. In Frank's Interesse suchten wir uns einen Liegeplatz, der möglichst weit weg vom Ufer und von irgendwelchen Uferbepflanzungen lag. Dummerweise lag der dann aber so abgelegen, daß wir ausgerechnet hier kein WLAN fanden, nachdem wir eigentlich den ganzen Tag über immer irgendein offenes Netz in Reichweite hatten. Also mussten wir den Abend ohne Internet verbringen. Das viel uns aber nicht weiter schwer, denn erstmal mussten wir die Unmengen Knoblauch verdauen, mit denen unsere Pizzen angereichert waren. Welche Düfte da durch's Boot zogen, vor allem am nächsten Morgen, dann kann, möchte sich aber sicher nicht jeder vorstellen...


Am nächsten Tag hatten wir eine relativ kurze Strecke geplant, von Grouw aus wollten wir nur nach Sneek; eigentlich eine Entfernung von vielleicht nur knapp 10 bis 12 Kilometer. Mit dem Auto ein Katzensprung, mit dem Boot aber deutlich mehr. Ausserdem hatten wir einen kleinen Umweg eingeplant, denn heute wollten wir endlich „über die Autobahn“ und „durch die Eisenbahnstrecke“ fahren. Das hatte am Vortag ja wegen einer Sperrung der Brücken aufgrund von Bauarbeiten nicht geklappt.

 

Es ist irgendwie ein merkwürdiges Gefühl, wenn man dann tatsächlich die Autobahn mit dem Boot überquert oder mitten durch Eisenbahnschienen hindurchfährt. Jedenfalls kamen wir trotz dieses kleinen Umwegs und des teilweise miserablen Wetters an diesem Tag gut bis nach Sneek, wo wir dann bei schönstem Sommerwetter in der Nähe einer Miniaturausgabe des Holstentors aus Lübeck festmachten und erst einmal wieder die „Stadt“ erkundigten. Da auch unsere Mägen meinten, daß wir so langsam mal etwas feste Nahrung zu uns nehmen könnten, „naschten“ wir erstmal ein paar „Käse Soufflé“ - die Teile waren echt lecker. Abends gab es dann Spaghetti á la Mike, d. h. mit Hack, reichlich Knobi und „etwas“ pikant. Zum Glück hatten wir genug Flens mit, um die aufkommenden Halsbrände schnell zu löschen und wer dann noch Probleme hatte, dem wurde mit echtem, 40%-igem „Oude Genever“ weitergeholfen.

 


Am nächsten Morgen – jeder aus der Crew hatte das Essen und die Nacht überlebt – machten wir uns gegen 11 Uhr auf den Weg nach Makkum. Natürlich lief auf mehreren Rechnern Kismet und auch Matthias' Linksys kam zum Einsatz. Der wurde kurzerhand auf der Brücke der „Alopia“ platziert und scannte von dort aus scheinbar ganz Friesland. Es ist Wahnsinn, wenn man mitbekommt, wie stark verbreitet WLAN in Holland bereits ist. Die Anzahl der Netze kennt man aus Deutschland vielleicht aus wirklichen Großstädten, in Flensburg wären das schier unvorstellbare Zahlen. Naja, allerdings herrschen in Flensburg zugegebenermaßen auch etwas andere Ausbreitungsbedingungen als in dem wirklich flachen Holland.

 

Zurück zu Makkum, daß wir gegen 16 Uhr erreichten: Makkum ist ein kleines Dorf mit einem der grössten Yachthäfen am Ijsselmeer. Interessanterweise liegen dort allerdings wenige holländische, dafür vorwiegend deutsche Yachten. Friesland und speziell das Ijsselmeer sind offensichtlich Naherholungsgebiet für den gesamtem Ruhrpott. Da im gut geschützten Innenhafen kein vernünftiger Liegeplatz mehr zu bekommen war, erlebten einige von uns ihr erstes richtiges Schleusenmanöver: Durch die alte, bereits im 16. Jahrhundert gebaute Seeschleuse ging es raus auf's Ijsselmeer und von dort zu neu angelegten Liegeplätzen, an denen wir die „Alopia“ dann auch mit Wasser und Strom versorgen konnten. Vor allem die Stromversorgung konnte unserem von einigen Laptops „ausgelutschtem“ Bordnetz nur gut tun und wir „opferten“ gerne den 1,- Euro Gebühr, um alle Batterien mal wieder richtig aufzuladen.

 

An was werden wir uns noch erinnern, wenn wir an Makkum denken? Nun, zum einen war da der Sturm: Es blies richtig kräftig aus Nordwest mit lockeren 5-6 Windstärken. Zum Glück hatten wir durch eine große Werfthalle etwas Windschatten und hatten dadurch Ruhe an Bord und wenig „Schaukelei“. Dann war da noch „der Alte“, der meinte, genau so locker wie wir anlegen zu können und dem dabei dann einer seiner Fender über Bord ging. Die Show, wie er den dann wieder einfing und wie seine Frau ihm dabei reichlich Ratschläge gab und sie ihm hinterher nach erfolgreicher „Jagd“ applaudierte, die hättet ihr sehen soll – ein Genuß für alle, die dabei zusehen durften.

 

Nicht vergessen darf man natürlich wieder einmal die „Fütterung der Raubtiere“: Die Fischesser unter uns, also eigentlich alle ausser Mike, die hatten sich mit geräuchertem Aal versorgt und der wurde, in der Sonne auf der Brücke der „Alopia“ sitzend, genüsslich verzehrt.


KöPi - frisch gezapft

Man könnte meinen, auf solch einer Tour würde es irgendwann langweilig, weil sich die Tage doch alle sehr ähneln, aber irgendwie passieren immer wieder Geschichten, die jeden Tag einer Fahrt einmalig machten. Nehmen wir doch direkt den nächsten Tag als Beispiel dafür:

 

Wir wollten an diesem Tag - immerhin schon der 4. unserer Tour – nur von Makkum nach Heek fahren. Also ging es erstmal durch die Seeschleuse wieder zurück ins Binnenland und dann über die Grachten weiter Richtung Workum. Kurz vor diesem Ort, der ebenfalls direkt am Ijsselmeer liegt, gab es noch eine Brücke, die wir vor der Mittagspause, die für alle Brücken und Schleusen in Holland einheitlich von 12 bis 13 Uhr gilt, leider nicht mehr passieren konnten.

 

Da der einzige „echte“ Anlegeplatz vor der Brücke bereits vollständig belegt war, mussten wir ein „Notmanöver“ ausführen und mit der „Alopia“ „zelten“ gehen. Frank sprang an Land und war dann erst eimal kräftig damit beschäftigt, Heringe in den Boden zu schlagen, an denen wir dann unsere Festmacherleinen befestigen konnten. Aber das allein wäre ja noch nicht so erzählenswert gewesen. Das genialste Erlebnis in diesem Moment war eigentlich, daß die Besatzung einer anderen Yacht, etwas größer und breiter als unsere, fragte, ob sie bei uns ins Päckchen, also längsseits gehen könnte. Dem stimmten wir natürlich sofort zu und als kleines „Danke schön“ wurden wir dann gefragt, ob wir etwas gegen ein frisch gezapftes KöPi einzuwenden hätten?!

 

Das war echt der Hammer! Die Crew der Yacht, ein Kegelclub aus Oberhausen, die hatten auf der Brücke direkt nebem dem Steuer tatsächlich eine komplette Zapfanlage installiert und natürlich nahmen wir das Angebot dankend an. Das war echt eine coole Nummer und wir mussten feststellen: So ein frisch gezapftes Bier, das schmeckt doch deutlich besser, als unser Dosenbier. Naja, vielleicht beim nächsten Mal ;)

 

Irgendwann war es dann aber auch 13 Uhr, wir verabschiedeten uns von diesen netten Nachbarn und machen uns weiter auf den Weg nach Heek. Hier machten wir an einem Liegeplatz fest, der zwar eine offizielle WLAN-Versorgung hatte (17,50 €/Tag), dafür aber keine Toiletten und Duschen. Man kann halt nicht alles haben: Toiletten hatten wir ja an Bord und duschen musste eben auf den nächsten Tag und Hafen verschoben werden. Der Tunnel, durch den wir von diesem Liegeplatz aus dann die Stadt erreichen konnten, der war übrigens dicht bevölkert von Spinnen, ihr wisst schon, diese achtbeinigen Viecher, die die besten Kumpels von Frank sind, weil sie auch Mücken futtern. Wie was das noch: „Die Feinde meiner Feinde sind meine Freunde“ ;)


Lemmer

Am nächsten Morgen – die Internet-Verbindung hatte immer noch Bestand – machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg Richtung Lemmer, was wir nach einem kleinen Umweg über Sloten, wo jedes Crewmitglied an den aus dem Mittelalter stammenden und noch heute dort stehenden Pranger gestellt wurde. Leider war genau zu diesem Zeitpunkt das Wetter dermaßen schlecht, daß wir die obligatorischen Fotos wirklich nur auf die Schnelle gemacht haben und dann schnell wieder an Bord flüchteten.

 

Lemmer ist ein Ort, der bei jedem Urlaub in Friesland einfach auf dem Programm stehen muss: Die Liegeplätze sind tatsächlich mitten in der „Altstadt“, die Häuser sind klein wie Puppenhäuser und die Schleusenanlage, die auch schon aus dem 16. Jahrhundert ist, sieht nicht nur toll aus, sondern funktioniert auch heute noch perfekt.

 

Und Lemmer hat eine weitere Attraktion zu bieten: Knapp 5 Meter von unserem Liegeplatz entfernt befand sich die Pizzeria La Gondola (http://www.pizzerialagondola.nl/). Genau dort beschlossen wir uns an diesem Abend zu verpflegen und das war eine der besten Entscheidungen, die wir jemals getroffen haben:

 

Fangen wir mit der Speisekarte an: Da standen schon mal weit über 100 verschiedene Pizzen drin! Ich glaube, alles, was jemals von einem Kunden als Sonderwunsch geäussert wurde, hat auch gleich seinen Weg in diese Karte gefunden! Wirklich der helle Wahnsinn! Noch grösser wurden unsere Augen allerdings, als die bestellten Pizzen dann geliefert wurden:

 

Groß wie Wagenräder, mit knusprigem, dünnen Teig und perfekt belegt! Um euch zu erklären, WIE gross die tatsächlich waren, sage ich nur eins: Matthias wurden von seiner Pizza nicht nur satt, sondern er liess sogar ein (kleines) Stückchen übrig! Ich glaube, das sagt alles, oder?

 

Eines war allerdings in diesem Jahr ärgerlich in Lemmer: Nach dem Auslaufen am nächsten Tag mussten wir leider feststellen, daß uns wohl während der Nacht einer unserer Fender von Brod gestohlen worden war. Nicht das wir den dringend gebraucht hätten, aber wir mussten ihn halt ersetzen und die 42 Euro hierfür hätten wir uns lieber erspart. Naja, das liess sich leider nicht ändern und so machten wir uns also am nächsten Mittag, nachdem in Lemmer noch Souvenirs und „Oude Genever“ eingekauft worden waren, auf den Weg Richtung Heimathafen.


Letzter Tag

Bevor wir jedoch die letzte Brücke passierten, schalteten wir mitten auf dem Tjeukemeer, also da, wo unsere Rundreise um Friesland herum begann, die Maschine aus: Dies war die letzte Gelegenheit, vielleicht doch noch zu Baden während dieses Urlaubs. Aber die einzigen, die „hart genug“ waren, um tatsächlich ins nicht gerade warme Wasser zu hüpfen, das waren Mike und Jan. Matthias und Jokey hielten nur mal ihren Fuss rein und Uschi und Frank dachten lieber gar nicht erst darüber nach...

 

Naja, nach diesem kurzen Badestop ging es dann tatsächlich weiter Richtung Heimathafen. Wir hätten zwar erst am nächsten Morgen dort einlaufen und die Alopia abgeben müssen, aber so konnten wir abends schon etwas aufräumen und das Essen für diesen Abend hatten wir uns in Lemmer bereits besorgt. Ausserdem ersparten wir Frank dadurch einen weiteren Abend in „Mückenhausen“, denn der einzige Liegeplatz, von dem aus wir morgens unseren Ausgangshafen rechtzeitig erreicht hätten, wäre wieder die Mückeninsel der ersten Nacht gewesen und auf die hatte speziell Frank aus verständlichen Gründen keinen Bock mehr.


Am Samstagmorgen gönnten wir uns dann noch den von unserem Charterunternehmen angeboteten guten und reichhaltigen Brunch und dann machten wir uns auf den Weg gen Heimat. Es war wie immer, wenn man Urlaub hat: Kaum hat er richtig begonnen, da ist er auch leider schon wieder zuende.

 

Unter dem Strich können wir nur feststellen: Es hat allen eine Menge Spaß gemacht und besser und interessanter, als faul an irgendeinem Strand rumzuliegen war es auf jeden Fall!

 

Wer bei dieser Story, die zugegebenermaßen nicht zwingend ein Projekt der LUG Flensburg, aber immerhin doch das einiger Mitglieder von uns war, bis hierhin durchgehalten hat, der ist vielleicht auch an den technischen Daten zu der von uns gecharterten Yacht „Alopia“ interessiert:


Heimathafen 
Langelille (NL) 
Charterer 
De Driesprong 
Länge 
12,70 m 
Breite 
3,80 m 
Tiefgang 
1,20 m 
Durchfahrtshöhe 
4,40 m 
Motor  
120 PS IVECO Diesel (gedrosselt) 
Verbrauch Motor 
8 Liter/Std. 
Verbrauch während der Tour 
92 Liter 
Heizung 
Eperspächer Warmluftheizung 
Verbrauch Heizung 
2 Liter/Stunde 
Inhalt Dieseltank 
400 Liter 
Inhalt Wassertank 
1000 Liter 
Strom 
max. 280 Ampere 
Steuerhilfen 
Bug- u. Heckstrahl