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Festplatte defekt! Und nun?

 

Es ist so ziemlich das Schlimmste, was einem passieren kann: Die Festplatte, und zwar selbstverständlich die, auf der die wichtigsten Daten liegen, macht merkwürdige Geräusche oder der smart-daemon weist Dich darauf hin, daß diese Platte in Kürze Ihren Geist aufgeben wird...

 

Jetzt wird es allerhöchste Zeit, daß Backup, welches Du natürlich zuletzt vor zig Monaten gemacht hast, auf einen aktuellen Stand zu bringen. Und natürlich könntest Du Dir 'nen Stapel CD-Rohlinge schnappen und anfangen, Deine Daten wegzubrennen, aber es gibt auch noch andere Möglichkeiten, Deine Daten zu retten:

 

Vielleicht bist Du ja in der glücklichen Lage, noch eine neue Festplatte im Regal liegen zu haben, die Du schon lange einbauen wolltest, wozu Du aber bisher noch nicht gekommen bist.

 

Dann ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt dafür!

 

Wenn Du den Schraubenzieher beiseite gelegt und Dein Linux-System gestartet hast, kannst Du Dich endlich daran machen, einen Klon Deiner Platte anzufertigen.

 

Sofern Du bisher nur KDE oder Gnome kennst, dann wirst Du heute die Konsole kennenlernen (es geht auch unter X, jedoch würde ich davon abraten):

 

Ok, wie kommst Du auf die Konsole:

 

1.) Du bootest Dein System gleich so, daß es Deinen X-Server gar nicht erst startet. Bei den meisten Distributionen errreichst Du das, indem du beim Booten einfach mal ein "init 3" oder einfach nur "3" als Parameter übergibst.

 

2.) Wenn Du Dich bereits unter X befindest und Dein vertrauter Window-Manager läuft, dann kannst Du auch mit ALT+F2 eine Befehlzeile aktivieren und dort einfach init 3 eintragen. Dein Windowmanager sollte sich daraufhin beenden und Du siehst vielleicht zum ersten Mal Deine Konsole und den Login-Bildschirm im Textmodus.

 

Ok, so weit, so gut....

 

Für das was folgt, musst Du wissen, welche Deiner Platten Du retten willst oder musst und welche die neue Platte ist, die Du eingebaut hast.

 

Ich gehe mal davon aus, daß Du ausschliesslich IDE-Festplatten im System hast. Nun kannst Du Dich an dieser Übersicht orientieren:

 

/dev/hda = erste Festplatte am ersten IDE-Controller
/dev/hdb = zweite Festplatte am ersten IDE-Controller
/dev/hdc = erste Festplatte am zweiten IDE-Controller
/dev/hdd = zweite Festplatte am zweiten IDE-Controller

 

Ich gehe für diese kurze Anleitung davon aus, daß Deine erste Festplatte, also /dev/hda diejenige ist, die gerettet werden muss und daß Du die neue Platte als /dev/hdd als Ziel für Deine Datensicherung verwenden willst.

 

Sehr wichtig ist bei der ganzen Geschichte ist, daß die neue Platte mindestens so gross ist, wie die, die Du retten willst!

 

Ok, wie geht es weiter? Ganz einfach: Gar nicht, denn wir haben eines bei der ganzen Aktion bisher nicht bedacht:

 

Von Deiner ersten Platte hast Du gebootet und die Partitionen sind gemountet; Du bekommst also keinen exklusiven Zugriff darauf. Somit hättest Du jetzt ein fürchterliches Problem, aber zum Glück gibt es auch dafür eine Lösung:

 

Dank Knoppix und Co, also einer Linux-Live-CD, hast Du die Möglichkeit, Linux von CD zu booten und kannst dann auf Deine eigentlichen Festplatten zugreifen.

 

Ok, das wäre also geschafft. Nun geht es frisch ans Werk:

 

Zur Erinnerung: Wir wollen /dev/hda sichern und uns steht dafür /dev/hdd zur Verfügung.

 

Unter Linux steht Dir der Befehl dd zur Verfügung, und genau den nutzen wir für unseren Datensicherung:

 

Bedingung, damit das klappt:

 

- Keine Partitionen auf Quell-Festplatte und Ziel-Festplatte sind gemountet

 

Hiermit klonen wir nun die ganze Platte:

 

dd if=/dev/hda of=/dev/hdd

 

Frei übersetzt heisst die Anweisung, die Du Deinem System damit gibst soviel wie:

 

"Dupliziere die erste Festplatte am ersten IDE-Controller auf die zweite Festplatte am zweiten IDE-Controller!"

 

Natürlich kannst Du dieses Verfahren auch für das Backup einzelner Partitionen nutzen:

 

dd if=/dev/hda1 of=/dev/hdd1

 

Einzigen Bedingungen, damit das klappt:

 

- die Quell-Partition ist nicht gemountet

- die Ziel-Partition ist gemountet

 

Damit hast Du dann eine wirkliche 1:1 Kopie Deiner Platte oder Partition erstellt. Einziger Wermuts-Tropfen: Es funktioniert nur, solange die Platte oder Partition noch lesbar ist. Sollte die Festplatte bereits so beschädigt sein, daß sie Lesefehler hat, dann wird dd sang- und klanglos abbrechen und Du musst nach anderen Lösungen suchen...

 

Gut, Du kennst also nun den Befehl dd und willst oder musst Deine Daten retten, Du hast aber keine neue Festplatte. Dummerweise hast Du auch keine Rohlinge im Haus, damit fällt selbst die (umständliche) Datensicherung über ein Brennprogramm ins Wasser. Was nun?

 

Bei näherer Betrachtung Deines Arbeitszimmers fällt Dir auf, daß Du ja noch einen weiteren Rechner da rumstehen hast und daß der eigentlich genug Plattenplatz hätte, um die Daten des alten aufzunehmen. Ok, dann nutzen wir den doch einfach dafür!

 

Ich kann doch sicher davon ausgehen, daß Du auf beiden Rechnern Linux installiert hast und daß die beiden miteinander vernetzt sind? Gut, so gehört sich das! ;)

 

Um unser Ziel nun zu erreichen, kombinieren wir jetzt einfach ein paar Befehle:

 

dd kennst Du schon, nun kommen noch ssh und cat dazu.

 

An Deiner Konsole auf dem Rechner, der gesichert werden soll, gibst Du jetzt folgendes ein:

 

dd if=/dev/hda | ssh user user user@remotehost "cat > /pfad/zu/hda.img"

 

Was passiert hier? Ganz einfach:

 

Das Dir bereits bekannte dd hast Du nun einfach mit ssh und cat kombiniert und dabei die ganze Platte über Dein Netzwerk auf den anderen Rechner gesichert.

 

Aber Vorsicht: da natürlich längst nicht jeder Gigabit-Netzwerk zur Verfügung hat, kann dieser Vorgang je nach Grösse Deiner alten Festplatte sehr lange dauern!